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/ 11.06.2013
Ernst Jünger / Carl Schmitt

Briefe 1930-1983. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel

Stuttgart: Klett-Cotta 1999; 893 S.; Ln., 78,- DM; ISBN 3-608-93452-9

Zwischen dem 14. Juli 1930 und dem 17. Juli 1983 entspannte sich zwischen Jünger und Schmitt eine regelmäßige Korrespondenz von beachtlichem Umfang. Mehr als 400 Briefe dokumentiert der Band in chronologischer Folge. Grundlage dafür sind die in den Nachlässen Schmitts (im Hauptstaatsarchiv NRW in Düsseldorf) und Jüngers (im Literaturarchiv Marbach) erhaltenen Originalkorrespondenzen. Ein umfassender, historisch-kritischer Anmerkungsapparat und eine ausführliche Literaturauswahl zu Leben und Werk beider Schriftsteller schließt sich an. Gehalt und Bedeutung des Briefwechsels in politischer Hinsicht zu erschließen, fällt allerdings nicht leicht. Die Briefe (selten länger als eine Seite) und Karten enthalten überwiegend Mitteilungen über aktuelle Lektüre und Buchempfehlungen, weiterhin Einladungen und Verabredungen zu gegenseitigen Besuchen, schließlich Nachrichten von Familienereignissen (Schmitt war Taufpate eines Sohnes von Jünger) sowie gemeinsamen Freunden und Bekannten. Der zeithistorische Kontext erscheint darin meist nur mittelbar, in Anspielungen oder ausschnitthaften Beobachtungen. Konkrete politische Aussagen oder Kommentare zur politischen Entwicklung finden sich nahezu keine, die wenigen bleiben allgemein oder werden, etwa in einem Brief Jüngers vom 17. August 1933, betreffend den Reichstagsbrand-Prozeß, über "die Diskussion des Reichsgerichts mit dem Auslande, vor allem mit Holland" (17), in ein Postskriptum verbannt. Erkennbar wird aus beiläufigen Bemerkungen, daß Grundsatzdiskussionen zu Fragen der Politik, der (politischen) Philosophie und der Geschichte offenbar während der vielen persönlichen Begegnungen ausgetragen worden sind, im Briefwechsel aber nicht weitergeführt werden, es sei denn durch den Verweis auf Bücher und Aufsätze "von Interesse". Die Anmerkungen des Herausgebers zur Heranführung biographischer Forschungserkenntnisse vermitteln einen Eindruck davon, wie sehr der durchweg um distinguierte Diktion und distanzierte Wiedergabe von Alltagsbeobachtungen bemühte Stil beider Autoren selbst belegbare Meinungsverschiedenheiten ins Nebensätzliche filtert. So sind für den an den politischen Schriften bzw. Positionen der beiden Autoren interessierten Leser wesentliche neue Erkenntnisse aus diesem Quellenbestand nicht zu gewinnen.

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Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Ernst Jünger / Carl Schmitt: Briefe 1930-1983. Stuttgart: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9295-briefe-1930-1983_12219, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 12219 Rezension drucken
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