Skip to main content
/ 21.06.2013
Detlef Horster (Hrsg.)

Bestandsvoraussetzungen und Sicherungen des demokratischen Staates. Das Beispiel Türkei

Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2009 (Hannah-Arendt-Lectures und Hannah-Arendt-Tage 2008); 112 S.; 12,80 €; ISBN 978-3-938808-67-2
Ausgangspunkt der Beiträge ist die Frage, „ob sich eine Demokratie in Krisensituationen aus sich selbst heraus stabilisieren kann“ (7). In den ersten drei Erörterungen werden die Überlegungen zugespitzt als Repliken auf die These von Ernst-Wolfgang Böckenförde, wonach der freiheitliche, säkularisierte Staat von normativen Voraussetzungen zehre, die er selbst nicht garantieren könne. Herbert Schnädelbach, Herlinde Pauer-Studer und Volker Gerhardt kommen über drei theoretische Wege zu einer deutlichen Zurückweisung der These Böckenfördes als einer im Kern undemokratischen Zumutung. Schnädelbach kommt in seiner Betrachtung der Verbindung von Metaphysik und Politik zu der Erkenntnis, dass „Endlichkeit der Vernunft und Freiheit des Menschen als oberste Orientierungspunkte von Politik bedeuten, dass prinzipiell kein politisches Handeln gerechtfertigt werden kann, das sich als Agentur irgendeines Absoluten versteht“ (27). Pauer-Studer entwirft im Zuge einer Auseinandersetzung mit den drei Problemfeldern Religion, kulturelle Identität unter der Bedingung der Globalisierung und Streben nach Perfektion ähnlich wie Schnädelbach eine freiheitsbezogene politische Philosophie, die den Bürgern den Raum lässt, nach moralischer Verbesserung zu streben, es aber ablehnt, „den Perfektionismus als politische Lehre zu unterschreiben“ (42). Gerhardt erläutert zudem, dass Böckenfördes These der Tradition der politischen Theologie entspringt. Diese steht aber grundsätzlich vor dem Dilemma nicht erklären zu können, „warum die theologische Einsicht in der Form eines politischen Gebots wirksam werden soll“ (52). Überhaupt sei es unverantwortlich, einer Gesellschaft, „in der es keine allgemein verbindlichen religiösen Überzeugungen gibt, einen alle verbindenden Glauben unterstellen zu wollen“ (53) – allerdings sei die Biopolitik ein Beispiel dafür, dass dies tatsächlich geschehe. Den Beiträgen schließen sich zwei weitere und eine Diskussion über die Türkei an, in denen der Frage nach den eigenen Kräften einer Demokratie konkret nachgegangen wird.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.25.415.12.63 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Detlef Horster (Hrsg.): Bestandsvoraussetzungen und Sicherungen des demokratischen Staates. Weilerswist: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30444-bestandsvoraussetzungen-und-sicherungen-des-demokratischen-staates_36146, veröffentlicht am 13.10.2009. Buch-Nr.: 36146 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA