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/ 21.06.2013
Hermann Wentker

Außenpolitik in engen Grenzen. Die DDR im internationalen System 1949-1989. Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut für Zeitgeschichte

München: R. Oldenbourg Verlag 2007 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 72); X, 612 S.; Ln., 49,80 €; ISBN 978-3-486-58345-8
„Ihr solltet weniger essen“ (479), bekam der DDR-Botschafter in Moskau 1983 aus dem ZK der KPdSU zu hören, nachdem die SED es abgelehnt hatte, mehr Lebensmittel in die Sowjetunion zu liefern, gleichzeitig aber die Erhöhung der Erdöllieferungen forderte, von denen die Wirtschaft der DDR maßgeblich abhing. Die SED begründete ihre Position mit dem Hinweis, man müsse in der Systemkonkurrenz mit dem Westen unmittelbar bestehen. Tatsächlich war dies fast vierzig Jahre lang ein gewichtiges Argument gewesen, wie Wentker, Historiker an der Universität Leipzig und Leiter der Abteilung Berlin des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, in seiner umfassenden Darstellung der Außenpolitik der DDR aus der Perspektive ihres Scheiterns 1989 beschreibt. Über Jahrzehnte war die DDR aufgrund ihrer mangelnden inneren Legitimität und ihrer extremen Abhängigkeit von der internationalen Konstellation nur äußerst begrenzt außenpolitisch handlungsfähig – alle wichtigen Entscheidungen wurden in Moskau getroffen, zudem verhinderte die Bundesrepublik lange erfolgreich die völkerrechtliche Anerkennung des ostdeutschen Teilstaates. Wentker zeigt, dass die Ideologie sowohl in Moskau als auch in Ost-Berlin den Blick auf die Realität verstellte – darauf, dass die DDR niemals wirtschaftlich so leistungsfähig und politisch so überzeugend werden würde, dass sie den Wettbewerb mit der Bundesrepublik gewinnen könnte. Und so entwickelten sich auch die Beziehungen zu anderen Staaten in Europa, Afrika, Asien und dem Nahen Osten trotz gelegentlich scheinbar hoffnungsvoller Anfänge nicht sonderlich erfolgreich. Besonders im Kapitel über die achtziger Jahre schildert Wentker anschaulich, wie die DDR durch den Machtverlust der Sowjetunion zwar mehr außenpolitischen Handlungsspielraum gewann, gleichzeitig damit aber die Stütze ihrer Existenz verlor. Die DDR geriet in neue „Handlungszwänge“ (475) und musste vor allem in ihrer Spätphase der Bundesrepublik immer mehr Zugeständnisse machen – sie brauchte deren Kredite zum (kurzfristigen) Überleben.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3144.222.3132.62 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hermann Wentker: Außenpolitik in engen Grenzen. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28175-aussenpolitik-in-engen-grenzen_33133, veröffentlicht am 03.04.2008. Buch-Nr.: 33133 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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