/ 18.06.2013
Niels Hansen
Aus dem Schatten der Katastrophe. Die deutsch-israelischen Beziehungen in der Ära Konrad Adenauer und David Ben Gurion. Ein dokumentierender Bericht. Mit einem Geleitwort von Shimon Peres
Düsseldorf: Droste Verlag 2002 (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte 38); 891 S.; geb., 49,80 €; ISBN 3-7700-1886-9Diese umfangreiche und akribisch recherchierte Analyse untersucht die wichtigsten Etappen der allmählichen Annäherung zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten. Anhand der einschlägigen deutschen und israelischen Quellen weist der Autor, zwischen 1981 und 1985 deutscher Botschafter in Israel, in manchen Punkten auf neue Aspekte der schwierigen Entwicklung hin. Die Motive der Akteure im komplexen Geflecht von Moral und Realpolitik werden dabei ebenso analysiert wie die innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen. Eingehende Berücksichtigung finden darüber hinaus die Rolle der USA als Besatzungsmacht bzw. späterer Alliierter und dritter Akteur in den deutsch-israelischen Beziehungen sowie die Wirkung des bundesdeutschen Alleinvertretungsanspruchs auf die Bonner Nahost-Politik. Denn die Drohung der arabischen Staaten mit ihrer Anerkennung der DDR war entscheidend für das Zögern der Regierung Adenauer, die von Israel bereits seit 1956 gewünschte Formalisierung der bilateralen Beziehungen tatsächlich einzuleiten. Hansen betont mit seiner Untersuchung den personalen Faktor bei der Aufnahme der deutsch-israelischen Beziehungen. Denn es war vor allem das Verdienst der beiden ersten Regierungschefs (Adenauer und Ben Gurion), dass der Luxemburger Vertrag 1952 zustande kam und dass sich, darauf aufbauend, die gegenseitigen Beziehungen weiter intensivierten. Der 1965 erfolgte Botschafteraustausch und der damit verbundene dauerhafte wirtschaftliche Beistand schufen dann endgültig die Voraussetzungen für die enge Zusammenarbeit, die die beiden Staaten entwickeln sollten.
Inhaltsübersicht: A. Von der Sprachlosigkeit zum tastenden Gespräch; B. Der Weg zum Luxemburger Abkommen; C. Paradigmenwechsel zur Formalisierung; D. Die New Yorker Zusammenkunft als Markstein der weiteren Entwicklung; E. Die Verwicklung des gordischen Knotens und seine Kappung.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.21 | 4.22 | 2.63 | 2.314 | 2.35 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Niels Hansen: Aus dem Schatten der Katastrophe. Düsseldorf: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17085-aus-dem-schatten-der-katastrophe_19647, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19647
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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