/ 21.06.2013
William R. Polk
Aufstand. Widerstand gegen Fremdherrschaft: vom Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis zum Irak. Aus dem Englischen von Ilse Utz
Hamburg: Hamburger Edition 2009; 340 S.; 32,- €; ISBN 978-3-86854-210-3„Acht Jahre in Afghanistan, sieben Jahre im Irak und zwei Jahre in Somalia belegen hinreichend: Wenn ausländische Truppen in ein Land einmarschieren und seine Gesellschaftsordnung zerstören – so viele Mängel diese auch aufweisen mag –, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass am Ende nicht Reformen stehen, sondern Chaos.“ (293) Polks historische Analyse über die Charakteristika von Aufständen ist zugleich ein Brandbrief gegen eine – zumindest unter George W. Bush in Betracht gezogene – Invasion des Irans. Für Polk steht außer Frage, dass auch dieser Krieg verloren gehen würde. Die Iraner würden sich gegen eine Invasion zur Wehr setzen und eine „fremde Macht ist nicht in der Lage, einen entschlossen geführten Aufstand militärisch niederzuschlagen – es sei denn durch einen Genozid“ (14). Polk untermauert diese Aussage ausgehend von seiner zentralen These, wonach sich immer „ein Aufstand im Kern gegen Fremde richtet“ (11), und mit der Beobachtung, dass ein Guerillakrieg aus drei Elementen besteht: Politik, Verwaltung und bewaffneter Kampf. Illustriert wird diese These geradezu idealtypisch am Beispiel Vietnam – Polk war 1961 Mitglied des Policy Planning Council des US-amerikanischen Außenministeriums geworden und hatte sich mit der Analyse des Konflikts beschäftigt: Bereits vor der US-Intervention habe Ho Chi Minh die Auseinandersetzung auf politischer Ebene (und damit 80 Prozent des Konflikts) gewonnen, weil er zur Verkörperung des Nationalbewusstseins geworden sei. Einen Bedeutungsanteil von 15 Prozent schreibt Polk der Zerschlagung der südvietnamesischen Verwaltung zu. Dem militärischen Kampf seien nur fünf Prozent Bedeutung zuzumessen – die USA konnten seiner Ansicht nach den Krieg in Vietnam nur verlieren. In elf Beispielen rund um den Globus und quer durch die Geschichte zeigt Polk im Hauptteil des Buches entlang dieses Deutungsmusters, welche Stadien Aufstände durchlaufen. Und „wenn die Guerillakämpfer die Fremden und ihre einheimischen Verbündeten nicht dazu bringen können, den Kampf aufzugeben?“ (23) Dann werde der Widerstand höchstwahrscheinlich Jahr für Jahr und Generation für Generation weitergehen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: William R. Polk: Aufstand. Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31434-aufstand_37418, veröffentlicht am 28.01.2010.
Buch-Nr.: 37418
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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