/ 17.06.2013
Dierk Hoffmann
Aufbau und Krise der Planwirtschaft. Die Arbeitskräftelenkung in der SBZ/DDR 1945 bis 1963. Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut für Zeitgeschichte
München: R. Oldenbourg Verlag 2002 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 60); VIII, 586 S.; 74,80 €; ISBN 3-486-56616-4Ein zentraler Bestandteil der DDR-Wirtschaftsplanung war die Planung und Steuerung des Arbeitskräftebedarfs. Hoffmann, der wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte (Außenstelle Berlin) ist, untersucht diesen Bereich am Beispiel der Grundstoff- und Schwerindustrie. Er analysiert die Bewältigung der Kriegsfolgelasten für den Arbeitsmarkt, die Schwierigkeiten durch die Mobilisierung von Arbeitskräften für Reparationen und das Bemühen, Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt angesichts der wirtschaftspolitischen Ziele auszugleichen. Seine politik- und wirtschaftshistorischen Fragen verknüpft er mit den theoretischen Überlegungen von János Kornai. Dessen Vermutung, dass ein Mischsystem in sozialistischen Wirtschaftssystemen Steuerungsaufgaben wahrnimmt, sieht Hoffmann bestätigt. Die Arbeitskräftelenkung sei "nicht nur durch bürokratische Koordinierung, sondern auch durch Instrumente, die marktkoordinierende Funktionen besaßen" (547), erfolgt. So seien höhere Löhne als Anreiz, die Arbeitsproduktivität zu steigern, eingesetzt worden. Allerdings seien der DDR anfangs durch die Besatzungsmacht enge Grenzen gezogen worden, die auch deutschlandpolitisch motiviert gewesen seien. Von einer Sowjetisierung der Wirtschaft im Sinne einer Kopie könne nicht gesprochen werden. Der Aufbau der Planwirtschaft habe sich schrittweise vollzogen und sei durch eine lange Reihe von Ad-hoc-Maßnahmen gegen plötzlich auftretende Schwierigkeiten gekennzeichnet gewesen. Dabei seien Gemeinsamkeiten mit der Arbeitsmarktpolitik im Dritten Reich festzustellen, so zum Beispiel bei der Lohnfestsetzung, der Arbeitseinweisung und dem Arbeitsbuch. "Die Schwächen der Planwirtschaft waren Mitte der fünfziger Jahre unübersehbar geworden." (537) Erst mit dem Mauerbau habe die DDR ihren Arbeitsmarkt stabilisiert.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Dierk Hoffmann: Aufbau und Krise der Planwirtschaft. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16857-aufbau-und-krise-der-planwirtschaft_19368, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19368
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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