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/ 18.06.2013
Dirk Auer / Lars Rensmann / Julia Schulze Wessel (Hrsg.)

Arendt und Adorno

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1635); 313 S.; 13,- €; ISBN 3-518-29235-8
Trotz der Gemeinsamkeiten ihrer Biografien - Beginn der wissenschaftlichen Karriere in der Weimarer Republik, Flucht vor den Nazis, Emigration in die USA - und durchaus vergleichbaren Fragestellungen in ihren Werken, nämlich der theoretischen Reflexion über die gesellschaftlichen Bedingungen des nationalsozialistischen Terrors, haben Hannah Arendt und Theodor Adorno in ihren Arbeiten keine Notiz voneinander genommen. Diese gezielte wechselseitige Nichtbeachtung zu Lebzeiten hatte zwar kontingente, persönliche Motive, aber sie scheint sich auch posthum fortgesetzt zu haben, sind doch die Werke Adornos und Arendts „zum Ausgangspunkt für voneinander getrennte Rezeptionskulturen geworden, die auf theoretischer Ebene ein dichotomes ‚Entweder/Oder' suggerieren und politisch unterschiedliche Bedürfnisse" befriedigen (10). Wohl mag diese separierte Rezeption vordergründig mit den differenten theoretischen Perspektiven erklärt werden - einerseits Adornos materialistisch ansetzende Gesellschaftskritik, andererseits Arendts emphatischer Republikanismus - sie verstellt aber auch die Wahrnehmung von korrespondierenden Elementen der Werke, die Adorno und Arendt als (kritische) „Theoretiker der Moderne" zeigen (31). Die Beiträge wollen, ohne die zweifellos bestehenden Unterschiede zu ignorieren, gerade die Konvergenzen der Werke sowohl in zeitdiagnostischer wie in gesellschaftstheoretischer Hinsicht herausarbeiten. Aus dem Inhalt: Dirk Auer / Lars Rensmann / Julia Schulze Wessel: Einleitung: Affinität und Aversion. Zum theoretischen Dialog zwischen Arendt und Adorno (7-31) Intellektuelle im Exil Dirk Auer: Paria wider Willen. Adornos und Arendts Reflexionen auf den Ort des Intellektuellen (35-56) Joanna Vecchiarelli Scott: Die amerikanische Erfahrung. Adorno, Arendt und das Exil in den USA (57-73) Micha Brumlik: Verborgene Tradition und messianisches Licht. Arendt, Adorno und ihr Judentum (74-93) II. Totale Herrschaft und Nachkriegsdeutschland Julia Schulze Wessel / Lars Rensmann: Radikalisierung oder „Verschwinden" der Judenfeindschaft? Arendts und Adornos Theorien zum modernen Antisemitismus (97-129) Alexander García Düttmann: Schuld Sein. Adorno und Arendt über Faktizität (130-149) Lars Rensmann: Das Besondere im Allgemeinen. Totale Herrschaft und Nachkriegsgesellschaft in den politisch-theoretischen Narrativen von Arendt und Adorno (150-195) III. Politisches Denken und philosophische Kategorienbildung Samir Gandesha: Schreiben und Urteilen. Adorno, Arendt und der Chiasmus der Naturgeschichte (199-233) Jörn Ahrens: In schlechter Gesellschaft. Über ein Unbehagen bei Arendt und Adorno (234-259) Alex Demirovi?: Revolution und Freiheit. Zum Problem der radikalen Transformation bei Arendt und Adorno (260-285) Thorsten Bonacker: Die Kontingenz politischen Handelns. Adorno, Arendt und die Legitimationsprobleme in der politischen Gesellschaft (286-310)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.465.42 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Dirk Auer / Lars Rensmann / Julia Schulze Wessel (Hrsg.): Arendt und Adorno Frankfurt a. M.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18953-arendt-und-adorno_21990, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21990 Rezension drucken
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