/ 19.06.2013
Bilinç Ercan
Zypern, die Türkei und die EU. Eine rechtliche Untersuchung des Beitritts Zyperns zur EU, der Nichtanerkennung Zyperns durch die Türkei und der Beziehungen zwischen der EU und der TRNZ
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Veröffentlichungen aus dem Institut für Internationale Angelegenheiten der Universität Hamburg 37); 257 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8329-7608-8Rechtswiss. Diss. Hamburg; Begutachtung: S. Oeter, U. Hatje. – Zypern macht derzeit wegen seiner Banken‑ und Schuldenkrise europapolitische Schlagzeilen. Dabei ist das Dauerproblem Zyperns, die Teilung der Insel, etwas in den Schatten geraten. Es stellt sich dennoch weiterhin die Frage, ob eine Lösung dieses Problems trotz oder wegen des EU‑Beitritts der Republik Zypern im Jahr 2004 nicht in Sicht ist. Bilinç Ercan untersucht den Beitritt Zyperns zur EU, wobei 2004 faktisch nur der griechisch‑zypriotische Süden der Insel Mitglied der EU geworden ist, sowie die schwierigen Beziehungen zur Türkei und zu der nur von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern. Einleitend geht die Autorin in einer kurzen historischen Übersicht auf die Geschichte der Insel ein, die seit 1571 zum Osmanischen Reich gehörte und von 1914 bis 1960 unter der Obhut Großbritanniens stand. 1960 wurde Zypern in die Unabhängigkeit entlassen, mit Griechenland, der Türkei und dem Vereinigten Königreich als Garantiemächte. Die Konflikte zwischen den Volksgruppen führten 1974 zu einem griechischen Putsch und zur türkischen Invasion, infolgedessen die Insel seit nunmehr rund vierzig Jahren geteilt ist. Anders als erhofft, ließ sich bislang weder durch den Beitrittsprozess zur EU oder die Einbeziehung der UNO die Teilung Zyperns überwinden, noch das gleich dem Gordischen Knoten verwickelte Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Teilen Zyperns, Griechenland, der Türkei und der EU entwirren. Da Griechenland bereits seit 1981 EU‑Mitglied ist, die Türkei jedoch nicht, steht die Europäische Union vor der undankbaren Situation, sowohl Partei als auch Mittler zu sein. Ercan untersucht die schwierigen Konsequenzen der Teilung Zyperns für alle Beteiligten und prüft, wie der EU‑Beitritt von 2004 völker‑ und europarechtlich, aber auch nach zypriotischem Verfassungsrecht zu bewerten ist. Sie kritisiert, dass die aktuelle Situation nicht im Einklang mit den primärrechtlichen Voraussetzungen steht und stellt im Schlusskapitel als Alternativen zum Status quo ein föderativ strukturiertes, vereintes Zypern oder ein in zwei Staaten geteiltes Zypern vor. Kompromissbereitschaft auf allen Seiten sei die entscheidende Voraussetzung für eine Lösung, schreibt sie, andernfalls werde die Situation weiterhin ungeklärt bleiben.
Burkard Steppacher (BKS)
Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
Rubrizierung: 2.63 | 3.6 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Burkard Steppacher, Rezension zu: Bilinç Ercan: Zypern, die Türkei und die EU. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21681-zypern-die-tuerkei-und-die-eu_42935, veröffentlicht am 08.05.2013.
Buch-Nr.: 42935
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Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
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