/ 22.06.2013
Christian Danz / André Ritter (Hrsg.)
Zwischen Kruzifix und Minarett. Religion im Fokus der Öffentlichkeit
Münster u. a.: Waxmann Verlag 2012 (Studien zum interreligiösen Dialog 11); 170 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-8309-2713-6Das Thema Religion in seinen vielfachen Ausfächerungen und Verbindungen zu Bereichen wie Politik oder Recht beschäftigt die westlichen Gesellschaften weiterhin. Insofern überrascht es auch nicht, dass die wissenschaftlichen Publikationen in diesem Bereich kontinuierlich zunehmen. Das Sammelwerk greift nun das Thema am Beispiel von Kruzifix, Kopftuch und Minarett aus unterschiedlichen schweizerischen, österreichischen und deutschen Perspektiven auf. Aus Platzgründen sei nur auf wenige Artikel eingegangen. Die Beiträge von Kurt Imhof, Patrik Ettinger und Linards Udris sowie von Farid Hafez belegen, wie sich Fremdenfeindlichkeit in Österreich und der Schweiz seit dem 11. September 2001 in religiösen Kategorien ausdrückt. Für Hafez geht es in den Diskursen daher auch nicht um eine Neujustierung des Verhältnisses von Religion und Öffentlichkeit, sondern vielmehr um die Konstruktion des Eigenen – das sich zunehmend christlich verstehe – in Abgrenzung zum Anderen, womit hier der Islam gemeint sei. Dass es zumindest auch um Neujustierungen im Verhältnis von Staat, Kirchen und Religionsgemeinschaften wie auch von Staat und Bürgern sowie von öffentlich und privat geht, bestätigt der Artikel von Birgit Sauer im Zusammenhang mit den Kopftuchdebatten in Europa. Aus feministisch-staatstheoretischer Perspektive zeigt sie anhand mehrerer Beispiele, dass die gesetzliche Nicht-Regulierung der Kopftuchproblematik bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse stabilisiert. Das Ergebnis einer solchen Nicht-Regulierung sei nicht die teilweise erhoffte Form von öffentlicher und freier Deliberation oder die „herrschaftsfreie Partizipation von bedeckten Frauen“ (60), sondern die Realisierung eines „neuen Staatsprojekts […], das auf einem exklusiven citizenship-Konzept, also auf neuen Ab- und Ausgrenzungsformen beruht“ (53). Sauer fordert eine „fundamentale gleichstellungsbezogene Veränderung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“ (61), mit der auch ein grundlegendes Umdenken im Sinne der Gleichheit von Minderheits- und Mehrheitsreligion einhergehen müsse. Insgesamt handelt es sich um ein interessantes Sammelwerk, das einige Aspekte zum Thema Religion und Öffentlichkeit auf verständliche und informative Art aufarbeitet.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.5 | 2.35 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Christian Danz / André Ritter (Hrsg.): Zwischen Kruzifix und Minarett. Münster u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35552-zwischen-kruzifix-und-minarett_42891, veröffentlicht am 10.01.2013.
Buch-Nr.: 42891
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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