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/ 21.06.2013
Marco Overhaus

Zwischen kooperativer Sicherheit und militärischer Interventionsfähigkeit. Die deutsche Sicherheitspolitik im Transformationsprozess der NATO vom Ende des Kalten Krieges bis zum Kampf gegen den Terrorismus

Online-Publikation 2008 (http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2008/506/pdf/DissertationOverhausPWP(22-9-08).pdf); 464 S.
Politikwiss. Diss. Trier; Gutachter: H. W. Maull, J. Schild. – Der Autor untersucht „den Gestaltungswillen der deutschen NATO-Politik von 1991 bis 2005 in den zentralen Bereichen der NATO-Osterweiterungen, des militärischen Krisenmanagements und der Antiterrorpolitik nach dem 11. September 2001“ (1). Erklärt wird im Zuge der Analyse, dass das Auftreten der Bundesregierungen als Bremser im Bereich des militärischen Krisenmanagements keinesfalls in dem Unvermögen begründet liegt, den nach dem Ende des Kalten Krieges neu gewonnenen Handlungsspielraum zu nutzen. Overhaus verortet vielmehr den Gestaltungswillen in der politischen Sphäre – ein militärisches Engagement wird vor allem deswegen und nur nach Drängen der Verbündeten erbracht, um den Anspruch auf eine politische Mitgestaltung aufrechtzuerhalten. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass die Bundesrepublik die Osterweiterungen der NATO nicht als Ausdehnung des eigenen militärischen Sicherheitsraumes betrachtete, dem Bündnis also keinen hohen Stellenwert als „Instrument des effektiven militärischen Handelns zur Sicherheitswahrung“ (408) einräumte. Die NATO hatte aus deutscher Sicht vielmehr eine Funktion im europäischen Integrationsprozess zu erfüllen. Sie wurde also als ein Instrument zur Einflussnahme auf internationale Prozesse eingesetzt, wobei die Bundesrepublik durchaus als europäische Ordnungsmacht auftrat. Als relativ konstantes Handlungsmuster stellt Overhaus insgesamt fest, dass die Bundesregierungen im Untersuchungszeitraum einen hohen politischen Gestaltungswillen und einen niedrigen im militärischen Bereich zeigten: Der „kooperativen Sicherheit als einer Strategie der politischen Einflussnahme auf andere Staaten durch gegenseitige Konsultationen, kooperative Normen und Verhaltensweisen im Rahmen institutioneller Zusammenarbeit“ (412) wurde ein klares Primat eingeräumt. So erklärt sich nach Ansicht des Autors auch die oft als mangelhaft kritisierte Ausstattung der Bundeswehr – ihre militärische Interventionsfähigkeit spielt bei der Wahrung der deutschen Sicherheitsinteressen keine große Rolle.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.214.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Marco Overhaus: Zwischen kooperativer Sicherheit und militärischer Interventionsfähigkeit. 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30382-zwischen-kooperativer-sicherheit-und-militaerischer-interventionsfaehigkeit_36066, veröffentlicht am 26.02.2009. Buch-Nr.: 36066 Rezension drucken
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