/ 04.06.2013
Imanuel Geiss
Zukunft als Geschichte. Historisch-politische Analysen und Prognosen zum Untergang des Sowjetkommunismus, 1980-1991
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1998 (Historische Mitteilungen 30); 309 S.; kart., 98,- DM; ISBN 3-515-07223-3Geiss präsentiert eine doppelte Geschichte. Vordergründig beschäftigt er sich in dem Band mit der inneren Struktur und vor allem dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der mittel- und osteuropäischen Staaten. Auf einer weiteren Ebene schreibt er jedoch auch ein Stück der Geschichte der historischen Auseinandersetzung um die korrekte Interpretation der Vorgänge in den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts in den 1980er Jahren. Dies wird dadurch erreicht, daß er 29 seiner eigenen Texte - Manuskripte, Vorträge, Diskussionsbeiträge, nur zum geringsten Teil bisher veröffentlicht - zu einem Werk zusammenfaßt und diese mit erläuternden Bemerkungen einrahmt. Diese rückblickenden Erläuterungen und eine damit eng verbundene Lesart des Buches als eine Geschichte der eigenen Geschichtsschreibung machen den Reiz des Werkes aus. So gesehen gewährt der Band Einblicke in die innere Entwicklung, das historische Lernen des Autors selbst. Sehr viel schwächer als die inhaltlichen Argumente sind jedoch die Passagen, in denen Geiss in der Einleitung und in der Zusammenfassung mit der Zunft ins Gericht geht. Etwas weniger Abrechnung mit der These der "Unvorhersehbarkeit" des Zusammenbruchs der Sowjetunion (14) und ihrer Vertreter aus "der dominierenden linken Öffentlichkeit" (285) hätte nicht geschadet.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.62 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Imanuel Geiss: Zukunft als Geschichte. Stuttgart: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6350-zukunft-als-geschichte_8615, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8615
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Dr., Politikwissenschaftler.
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