/ 22.06.2013
Judith Kuhn
Zivilgesellschaftliche Akteure in Global-Governance-Prozessen. Handlungsmöglichkeiten und Problemlösungskonzeptionen von Advocacy NGOs im Klimaregime der UN nach Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls
Online-Publikation 2011 (http://deposit.fernuni-hagen.de/2783/1/Diss-Judith-Kuhn-26092011.pdf); 273 S.Diss. FernUniversität Hagen; Begutachtung: G. Simonis, H. Breitmeier. – Über welche Handlungsmöglichkeiten verfügen zivilgesellschaftliche Akteure im Klimaregime der UN und welche Problemlösungskonzeptionen bringen sie ein? Zur Beantwortung dieser Frage stellt Kuhn im ersten Teil ihrer konstruktivistisch ausgelegten Arbeit den komplexen Governance-Prozess sowie die Rolle der darin involvierten NGOs dar. Dabei verdeutlicht sie, dass durch die Vielzahl an unterschiedlichen NGOs Verursacher-, Betroffenen- und Helferinteressen vertreten werden, die nur schwer miteinander in Einklang zu bringen sind. In ihrem zweiten, empirischen Teil untersucht Kuhn den Zeitraum seit Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls bis zur Weltklimakonferenz in Bali. Dabei beschränkt sich die Autorin auf das Handeln von Advocacy NGOs, die sich als eine Untergruppe von NGOs dadurch auszeichnen, „dass sie sich als kollektiver Akteur vorrangig für den Schutz der Atmosphäre und die hauptsächlich von den Auswirkungen des Klimawandels Betroffenen einsetz[en]“ (174). Dieses proklamierte Selbstverständnis bestätigt Kuhn in weiten Teilen für die Klimaregimeverhandlungen während des Untersuchungszeitraumes: Im Bereich Mitigation (Reduktion der Treibhausgase) plädieren Advocacy NGOs für all jene Maßnahmen, die den Technologie- und Finanztransfer in Entwicklungsländer, REDD (Berücksichtigung der Entwaldung bei der Emissionsberechnung) und CDM (Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung) fördern; für den Bereich Adaptation konzentrieren sich die Advocacy NGOs fast ausschließlich auf die Anpassungsbedürfnisse von Entwicklungsländern, um deren Kapazitäten zu stärken. Einzig in Bezug auf die Überprüfung des Kyoto-Protokolls stimmten die Advocacy NGOs nicht mit den Entwicklungsländern überein: Hier forderten die Organisationen ein deutlicheres Entgegenkommen von den Entwicklungsländern, um den Verhandlungsstillstand mit den Industrieländern aufzuheben. So wichtig die Nichtregierungsorganisationen auch sind, Kuhn konstatiert in ihrer kritisch-distanzierten Untersuchung auch eine gewisse Naivität bzw. einen sehr großen Zweckoptimismus der Advocacy NGOs. Sie halten unbeirrbar an dem Glauben fest, dass das Zwei-Grad-Ziel trotz der derzeitig schwierigen Situation erreicht werden kann und favorisieren für dieses Ziel eine multilaterale Herangehensweise.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.3 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Judith Kuhn: Zivilgesellschaftliche Akteure in Global-Governance-Prozessen. 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34726-zivilgesellschaftliche-akteure-in-global-governance-prozessen_41739, veröffentlicht am 22.03.2012.
Buch-Nr.: 41739
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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