/ 20.06.2013
Johannes Berger (Hrsg.)
Zerreisst das soziale Band? Beiträge zu einer aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005 (Mannheimer Jahrbuch für Europäische Sozialforschung 9); 304 S.; kart., 34,90 €; ISBN 3-593-37699-7Nicht nur in sozialwissenschaftlichen Zeitdiagnosen neueren Datums, sondern auch in der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte werden zunehmend Befürchtungen ausgesprochen, dass der soziale Zusammenhalt moderner, der Globalisierung ausgesetzter Gesellschaften brüchiger werde. Gewiss ist die Rede von einem Zerreißen des „sozialen Bandes“ metaphorisch. Zum einen, weil damit suggeriert wird, es habe Zeiten gegeben, in denen das Band intakt war; zum anderen, weil durchaus strittig ist, anhand welcher Indikatoren der Grad gesellschaftlicher Integration denn zu messen wäre. Gleichwohl sollten sich die Sozialwissenschaften auf eine gesellschaftliche Problemwahrnehmung einlassen, die in Phänomenen wie „der Ghettobildung, der Entstehung rechtsfreier Räume und mangelnder Integration von Teilgruppen bis zur Auflösung der Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Bereich, der Vernachlässigung öffentlicher Belange und einer in Teilen notleidenden Infrastruktur“ (22) Besorgnis erregende Anzeichen einer erodierenden Solidarität sieht. Die Autorinnen und Autoren greifen diese Phänomene auf und diskutieren sie nicht als Beleg eines völligen Verschwindens, aber doch eines Formenwandels von sozialer Solidarität. Die Publikation beruht auf einer von der European Science Foundation unterstützten Tagung, die unter Leitung des Herausgebers 2002 in Seefeld (Tirol) durchgeführt wurde.
Aus dem Inhalt:
I. Zum Wandel von Solidarformen und Moralvorstellungen
Amitai Etzioni:
Mehr als eine Zivilgesellschaft: eine gute Gesellschaft (27-51)
Aafke Komter:
Zur Veränderung sozialer Bindungen in der Gegenwart (53-76)
Gertrud Nunner-Winkler:
Soziohistorischer Wandel in der Struktur moralischer Motivation (77-117)
II. Solidarität und soziale Integration in Arbeitsbeziehungen
Karin Sanders / Hetty van Emmerik / Werner Raub:
Solidarität am Arbeitsplatz: Fiktion, Fakten und Kräfte (121-142)
Daniela Grunow / Karin Kurz / Steffen Hillmert:
Desintegration am Arbeitsmarkt? Eine empirische Analyse zur Stabilität von Erwerbsverläufen (143-170)
III. Wandel der Solidarformen in Staat und Familie
Carsten G. Ullrich:
Solidarität und Solidaritätsbereitschaft im Wohlfahrtsstaat. Theoretische Anmerkungen und einige empirische Befunde (173-200)
Karin Heitzmann:
Nonprofit-Organisationen und der Staat in Österreich – in einer veritablen Beziehungskrise? (201-220)
Göran Therborn:
Nach dem Patriarchat (221-241)
IV. Solidarität und soziale Integration in Europa
Steffen Mau:
Leerstelle europäische Solidarität? (245-272)
Richard Münch:
Die Semantik des konstitutionellen Liberalismus – die USA als Modellfall für die symbolische Konstruktion Europas? (273-297)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.23 | 2.4 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Johannes Berger (Hrsg.): Zerreisst das soziale Band? Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23632-zerreisst-das-soziale-band_27140, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27140
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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