/ 20.06.2013
Jean Hatzfeld
Zeit der Macheten. Gespräche mit den Tätern des Völkermordes in Ruanda. Aus dem Französischen von Karl-Udo Bigott. Mit einem Nachwort von Hans-Jürgen Wirth
Gießen: Haland & Wirth im Psychosozial-Verlag 2004; 314 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-89806-932-XDer Völkermord in Ruanda 1994 wurde bereits umfassend in verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen untersucht. Dennoch stellt dieses Buch ein lesenswertes Novum dar: Nachdem der abwechselnd in Frankreich und Ruanda lebende Kriegsreporter Hatzfeld bereits 2003 ein Buch mit Interviews von Überlebenden veröffentlichte, kommen nun einige Täter zu Wort. Die Gesprächsbeiträge sind thematisch gegliedert (Organisation, Frauen, Anführer usw.) und werden jeweils von Hatzfeld in einem reportagehaften, z. T. sehr persönlichen Stil eingeleitet. Er schildert seine Eindrücke und Gedanken bei seinen Begegnungen mit den verurteilten Mördern aus der Gemeinde Nyamata. Die uneinsichtigen, distanziert-sachlichen Antworten der Täter geben dem Leser einen beklemmenden und verstörenden Einblick in die Psyche von Massenmördern. In einem Nachwort bemüht sich Wirth, individuelle und kollektive psychologische Mechanismen, die den Massenmord ermöglichten, zu analysieren und so das Unerklärbare erklärbar zu machen. Das Buch wird durch ein Glossar, eine Chronologie, Karten sowie Angaben zu den Biografien und Strafen der Täter abgerundet.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 2.25 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Jean Hatzfeld: Zeit der Macheten. Gießen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22729-zeit-der-macheten_25945, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25945
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
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