/ 22.06.2013
Hans-Jürgen Wagener
Wirtschaftsordnung im Wandel. Zur Transformation 1985-2010
Marburg: Metropolis-Verlag 2011; 286 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89518-849-7Hans-Jürgen Wagener war seit den Anfängen der Umbrüche in Mittel- und Osteuropa gegen Mitte der 1980er-Jahre sicher einer der namhaftesten und aufmerksamsten deutschen Beobachter der postsozialistischen Transformationsprozesse. In diesem Buch legt er eine Sammlung von eigenen Aufsätzen vor, die den Zeitraum 1985 bis 2010 praktisch vollständig abdecken. Die Beiträge wurden zu diesem Zweck teilweise editiert oder übersetzt, inhaltlich jedoch nicht verändert, weshalb mehrere Einschätzungen und Ansichten sicher nicht auf der Höhe der Zeit sind. Dies entspricht jedoch der Zielsetzung des Autors, weniger eine umfassende Einführung in die osteuropäischen Transformationsprozesse vorzulegen als vielmehr eine Chronologie des sozialwissenschaftlichen Denkens über die Transformation – und damit zugleich die Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlicher Forschung und sozioökonomischer Entwicklung zu verdeutlichen. Wagener ist Ökonom, grenzt sich jedoch frühzeitig von einer rein ökonomischen Transformationstheorie ab, „die nach der optimalen Umgestaltung der Ordnung fragt, [aber] wenig dazu beitragen [kann], den Prozess der Transformation zu erklären, wozu eine politische Ökonomie der Transformation erforderlich ist“ (22). In diesem Sinne stellt er auch immer wieder die Frage nach Interessen, Hierarchien und Aushandlungsprozessen und kommt dabei einer politikwissenschaftlichen Transformationstheorie sehr viel näher als den Ende der 1980er-Jahre noch hoch im Kurs stehenden ökonomischen „Designer-Ansätzen“. Diese Ansätze – stellvertretend hierfür steht etwa der Harvard-Ökonom Jeffrey Sachs – besagen, dass man lediglich idealtypische Institutionen des kapitalistischen Marktes einführen müsse, die Gesellschaft würde ihr Verhalten mittelfristig diesen Institutionen anpassen. Die thematische Spannbreite, die Wageners Aufsätze abdecken, reicht vom theoretischen Entwurf einer politischen Ökonomie der Transformation über Fragen von Privatisierung und Unternehmenskontrolle, der Reform sozialpolitischer Institutionen bis hin zu den jeweiligen Sonderrollen, die die Entwicklungen in Russland und Ostdeutschland eingenommen haben. Dabei steht die Reform ökonomischer Institutionen zwar im Vordergrund, wird jedoch immer in die parallel sich vollziehenden Transformationsprozesse der politischen Institutionenlandschaft sowie der gesellschaftlichen Diskurse und Entwicklungen eingebettet.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.61 | 2.62 | 2.315
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Hans-Jürgen Wagener: Wirtschaftsordnung im Wandel. Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34643-wirtschaftsordnung-im-wandel_41629, veröffentlicht am 05.07.2012.
Buch-Nr.: 41629
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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