/ 19.09.2013
Jürgen Pirker
Wir sind Kärnten – Mi smo Koroška. Jugend, Begegnung und politische Bildung in Volksgruppenfragen
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Minderheiten und Autonomien 22); 157 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-7449-7Die Mehrheit der Kärntener Bevölkerung ist aufgrund der wechselvollen Geschichte der Region deutschsprachig. Vorrangig im Süden lebt aber auch eine große Minderheit, die slowenische Wurzeln hat und auch heute noch slowenisch spricht. Im jahrzehntelang schwelenden und erst 2011 beigelegten Streit um zweisprachige Ortsschilder ging es deshalb nicht nur um einige Hinweistafeln, sondern durch ihn wurden Identitätsfragen berührt, die ihre Wurzeln im erstarkenden Nationalismus haben. Jürgen Pirker untersucht mithilfe einer an allen 22 allgemeinbildenden höheren Schulen Kärntens durchgeführten Umfrage und eines schulübergreifenden Verständigungsprojektes, das denselben Titel wie sein Buch trägt, wie die Jugend des österreichischen Bundeslandes über die Volksgruppenfrage denkt. Die Ergebnisse offenbaren, dass die Jugendlichen – selbst die, die direkt in den zweisprachigen Regionen wohnen – bisher kaum mit der Volksgruppenfrage konfrontiert wurden: „ohne persönliche Erfahrungen oder slowenische Bekannte lebe man aneinander vorbei“ (114). Allerdings gibt es trotz des (zumindest nach außen) rückläufigen Deutschnationalismus und der zunehmenden Distanz auch derzeit Barrieren und emotionale Sperren, die vielfach auf fehlendes Wissen um den Konflikt und mangelnde Betroffenheit zurückzuführen sind. Damit die Jugendlichen reflektiert mit ihrer Identität und der Volksgruppenfrage umgehen können, sollten sie nach Meinung Pirkers stärker und vor allem in einer anderen Weise politisch gebildet werden. Das heißt für ihn auch, dass die Bedeutung des Kärntner Feiertages (10. Oktober) sowie die Rolle und Funktion von Minderheitenrechten im Unterricht vermittelt werden sollten. Politische Bildung, so das schlüssige Plädoyer des Autors, „hat Auseinandersetzung mit Familiengeschichten und Begegnungen zu ermöglichen und das nötige Wissen zur Verfügung zu stellen, um Vorurteile zu reflektieren, Ethnozentrismus auf beiden Seiten […] aufzudecken, wechselseitige Narrative aufzuzeigen und Vorurteile zu transformieren“ (139).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.4 | 2.23 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Jürgen Pirker: Wir sind Kärnten – Mi smo Koroška. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36194-wir-sind-kaernten--mi-smo-koroka_44003, veröffentlicht am 19.09.2013.
Buch-Nr.: 44003
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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