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/ 17.06.2013
Noreena Hertz

Wir lassen uns nicht kaufen! Keine Kapitulation vor der Macht der Wirtschaft. Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt

München/Düsseldorf: Econ 2001; 304 S.; geb., 21,- €; ISBN 3-430-14331-4
In der "Schleichenden Übernahme" (12) durch die Wirtschaft sieht die Cambridge-Dozentin Hertz den vitalen Fortbestand der Demokratie gefährdet. Sogleich bezieht sie ihre Position: "Ich bin für Humanität, für Demokratie und für Gerechtigkeit. Ich ziehe die moralische Rechtfertigung einer Spielart des Kapitalismus in Zweifel, die den Staat dazu ermuntert, seine Bürger quasi umsonst zu verkaufen; ich erlaube mir, die Legitimität einer Weltordnung zu hinterfragen, in der es viele Verlierer und nur einige Gewinner gibt, und ich möchte zeigen, dass diese 'Schleichende Übernahme' eine Gefahr für die Demokratie bedeutet." (21 f.) In ihrer flott geschriebenen Bestandsaufnahme des Globalkapitalismus halten sich jedoch die Provokationen in Grenzen. Bekannte Phänomene werden im neuen Outfit präsentiert: Bürgerinnen und Bürger sind bezüglich der Politik und Wirtschaft desillusioniert. Mittlerweile zeigen Proteste und Boykotte von Verbrauchern mehr Wirkung als der Gang zur Wahlurne. Geschäftsleute setzen sich vehementer für Friedensbemühungen ein als Diplomaten. Prinzipiell sind diese Erscheinungen nicht unbedingt negativ zu bewerten. Doch Hertz argumentiert aus dem Blickwinkel der politischen Gleichheit: "Durch die Abwendung von traditionellen Formen der Willensbekundung und die Hinwendung zu direkten Verbraucheraktionen riskieren die Protestierenden, die repräsentative Demokratie durch eine nicht repräsentative Alternative zu ersetzen." (201) Weil die Macht der Verbraucher aber nicht durch Wahlen legitimiert ist, werden sie stets eine schwächere Position gegenüber den Unternehmen haben, folgert die Autorin. Den Verbraucheraktivismus sieht Hertz als eindeutiges Indiz dafür, dass der Staat wieder eine aktivere Gestaltungsrolle in der Politik einnehmen sollte. Inhalt: 1. Die Revolution findet nicht im Fernsehen statt; 2. Im Bann des Materialismus; 3. Lasst sie Kuchen essen!; 4. Der Pförtner der Konzernzentrale; 5. Ausverkauf der Politik; 6. Geht einkaufen, nicht wählen!; 7. Nicht alles, was glänzt ...; 8. Missionarische Unternehmer; 9. Mutter Wirtschaft; 10. Wer überwacht die Wächter?; 11. Den Staat wieder in die Pflicht nehmen.
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.24.43 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Noreena Hertz: Wir lassen uns nicht kaufen! München/Düsseldorf: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15873-wir-lassen-uns-nicht-kaufen_18127, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18127 Rezension drucken
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