/ 18.06.2013
Larissa MacFarquhar / Michael Haupt
Wer ist Noam Chomsky?
Hamburg/Wien: Europa Verlag 2003; 135 S.; brosch., 9,90 €; ISBN 3-203-76018-5Das Buch erscheint zu Chomskys 75. Geburtstag und soll „Schlaglichter auf die Persönlichkeit" (7) werfen. Es besteht aus zwei Beiträgen, wobei MacFarquhars Artikel vorher schon im New Yorker erschien. Sie stellt Chomsky als unerhört produktiven Wissenschaftler dar, der in der Linguistik revolutionäre Theorien erarbeitet habe und völlig unabhängig davon seit mehr als vierzig Jahren mit nicht nachlassendem Engagement die US-Außenpolitik kritisiere. Aber obwohl sie großen Respekt vor der wissenschaftlichen Leistung und dem politischen Engagement Chomskys bekundet, bewahrt sie sich doch einen sehr kritischen Blick. So berichtet sie aus linguistischen Seminaren des Professors, in denen er mit der gleichen Unerbittlichkeit und dem gleichen sarkastischen, oft sogar verletzenden, aber niemals aufgeregten Ton, der seine Bücher kennzeichnet, Argumente wie Studenten angreift. Kritiker werfen Chomsky, der jegliche Art von Behavioralismus ablehnt, sogar vor, einem „kruden Empirismus" (50) zu huldigen, der mit dem unbedingten Anspruch verbunden sei, die Wahrheit zu verkünden. Dasselbe Argument bringt auch Haupt in seinem Beitrag vor, der speziell Chomskys politischen Schriften gewidmet ist. Haupt diagnostiziert Chomskys Theorieverzicht als wesentliche Schwäche. Er lasse die Frage offen, was für ihn den Raum des Politischen ausmache. Chomsky türme im Sinne einer Bestandsaufnahme zwar immer höhere Berge an Beweisen für die schreckliche amerikanische Machtausübung auf. Er lasse den Leser mit dieser Kritik aber hilflos zurück, weil er keinen Ausweg anbiete und auch nicht darüber zu diskutieren bereit sei. Chomsky halte den Mächtigen den Spiegel vor - und dies schätzt Haupt nicht gering, seine Exzessivität sei jedoch „monomanisch und moralisch zugleich" (69). Sie komme mehr und mehr als „Obsession" (73) daher. Gleichwohl interpretiert Haupt Chomskys politische Schriften als die eines Aufklärers im Kampf gegen die Hydra von Konzernen, Medien und Regierung und wünscht ihm die Kraft dazu, die Fackel weiter zu tragen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 1.3 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Larissa MacFarquhar / Michael Haupt: Wer ist Noam Chomsky? Hamburg/Wien: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20304-wer-ist-noam-chomsky_23658, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23658
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M. A., Politikwissenschaftler.
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