Skip to main content
/ 22.06.2013
Roberto Morozzo della Rocca (Hrsg.)

Wege zum Frieden. Die internationale Friedensarbeit der Gemeinschaft Sant'Egidio

Würzburg: echter 2010; 361 S.; brosch., 14,80 €; ISBN 978-3-429-03274-6
Die christliche Gemeinschaft Sant’Egidio wurde mit dem Anliegen der Verhinderung von Kriegen und der Bekämpfung von Armut in aller Welt 1968 in Rom gegründet. Trotz der engen Verbindungen zur italienischen Diplomatie hat sich die Gemeinschaft nach Einschätzung ihres Gründers Andrea Riccardi bei ihren verschiedenen Friedensaktivitäten als selbstständiger Akteur auf der internationalen Bühne bewährt. Gerade in der Zeit nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 setzte sie sich verstärkt für einen Dialog zwischen den Kulturen und Religionen ein. Dabei tritt Sant’Egidio der Vorstellung von Kriegen als einer schmerzlichen Notwendigkeit entgegen und beruft sich auf seine eigene, durch die Erfahrungen aus der Befriedung verschiedener Konflikte gereifte, pazifistische Grundhaltung. Die Organisation intervenierte in der Vergangenheit in Konfliktsituationen wie in Albanien, dem Kosovo, in Mosambik, Algerien und in weiteren Krisengebieten in Afrika. Der Band setzt sich aus acht Länderstudien und zwei Studien zum Thema Aids und zur Todesstrafe zusammen. Die den Konflikten zugrunde liegenden Kriegsursachen und Machtkonstellationen werden von den Autoren vor dem Hintergrund des Engagements der Gemeinschaft detailliert beschrieben. Leone Gianturco beschreibt für Mosambik, wie die Organisation dazu beitragen konnte, dass die zermürbenden kriegerischen Auseinadersetzungen zwischen der FRELIMO und der RENAMO auf die parlamentarische Ebene verlagert werden konnten. Im Rahmen der langwierigen Verhandlungen, die in den Räumlichkeiten der Organisation stattfanden, sei es das besondere Verdienst von Sant’Egidio gewesen, die sogenannte Guerilla-Psychologie, die sich in der RENAMO in den Jahren der Isolation entwickelt hatte, zu überwinden. Durch die erfolgreiche Bewältigung derart schwieriger Konfliktsituationen ist es der Organisation nach eigenem Bekunden gelungen, ein dichtes Netz von Kontakten aufzubauen, das in Verbindung mit ihrer Spiritualität ihre Kompetenz ausmacht.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.414.424.442.232.612.67 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Roberto Morozzo della Rocca (Hrsg.): Wege zum Frieden. Würzburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32836-wege-zum-frieden_39216, veröffentlicht am 21.09.2010. Buch-Nr.: 39216 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA