/ 22.06.2013
Bettina Engels
Warum sie Rebellen sind. Motive nichtstaatlicher Gewaltakteure in der Côte d'Ivoire
Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel 2012 (wissen & praxis 167); 223 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-86099-893-9Politikwiss. Diss. Berlin, Begutachtung: S. Chojnacki; K. Schlichte. – Die Autorin konstatiert ein generelles Defizit in der Friedens- und Konfliktforschung im Hinblick auf die Motive nichtstaatlicher Gewaltakteure in Konflikten, wobei sie vor allem auf konzeptionelle und methodologische Schwächen verweist. Entsprechend steht die Frage, welche Motive nichtstaatliche Gewaltakteure haben, im Mittelpunkt dieser empirisch angeleiteten theoretischen Analyse. Die Arbeit besteht aus sechs Teilen. Im ersten Abschnitt wird ein Literaturüberblick über innerstaatliche bewaffnete Konflikte und nichtstaatliche Gewaltakteure mit dem geografischen Schwerpunkt auf Afrika südlich der Sahara gegeben. Die in diesem Teil festgestellten Schwächen mit Bezug auf die Motivfrage werden im zweiten Teil in einer theoretischen Abhandlung diskutiert. Die Lücken in der Literatur sollen durch eine soziologische Handlungstheorie, die sich an Max Weber und Alfred Schütz orientiert, geschlossen werden, da über diesen Ansatz der subjektive Sinn menschlichen Handelns erschlossen werden könne. Im dritten Abschnitt nutzt Engels für das theoretische Vorhaben eine empirische Fallstudie. Hier wird der Konflikt in Côte d’Ivoire untersucht und zunächst seine politischen, ökonomischen und identitätsbezogenen Konfliktstrukturen aufgezeigt. Der vierte Teil ist dann den Motiven des nichtstaatlichen Gewaltakteurs „Forces Nouvelles“ gewidmet. Dafür hat die Autorin 45 Interviews mit Konfliktbeteiligten und Experten durchgeführt. Die Motive dieses Akteurs lassen sich Engels zufolge innerhalb der schon genannten politischen, ökonomischen und identitätsbezogenen Strukturdimensionen einordnen, wobei sich diese überlagern und verschränken. Auf dieser empirischen Grundlage werden im fünften Teil vier Thesen über die Motive nichtstaatlicher Akteure formuliert: Zentral für die Konstitution der Motive seien erstens gewalthaltige biografische Erfahrungen, da Gewalt als adäquates Mittel zur Erreichung politischer Ziele wahrgenommen werde. Zweitens spiele die (ehemalige) Zugehörigkeit zum Militär eine wichtige Rolle, da das Militär in besonderer Weise die Biografie und die Lebenswelt präge. Drittens sei feststellbar, dass die Motive von sozialräumlichen und soziokulturellen Faktoren abhängig seien und viertens gelte, dass die Motive nichtstaatlicher Akteure variabel und prozesshaft seien, sich also mit der Zeit verändern könnten. Im abschließenden sechsten Teil wird noch diskutiert, in welchem Verhältnis handlungs- und strukturorientierte Erklärungen stehen und wie sie sich ergänzen könnten.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Bettina Engels: Warum sie Rebellen sind. Frankfurt a. M.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35150-warum-sie-rebellen-sind_42319, veröffentlicht am 02.08.2012.
Buch-Nr.: 42319
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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