/ 21.06.2013
Marcia Pally
Warnung vor dem Freunde. Tradition und Zukunft US-amerikanischer Außenpolitik. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt
Berlin: Parthas 2008; 272 S.; brosch., 19,80 €; ISBN 978-3-86601-601-9Das Vorwort von Elfriede Jelinek nimmt bereits die zentrale Frage des Buches auf: Wie beeinflussen die amerikanischen Werte und die Religion die Außenpolitik der USA? Die Kulturwissenschaftlerin Pally sieht in der evangelikalen Lebensanschauung einen Erklärungsansatz, der auch die Inkonsistenz zwischen liberalen und intoleranten Momenten der Politik verständlich mache. Sie stellt dar, dass in Amerika das evangelikale Christentum früh die Entwicklung liberaler Werte und Überzeugungen gefördert sowie bereits in der Kolonialzeit einen nicht obrigkeitshörigen Individualismus unterstützt habe. Während in Europa aufklärerische und demokratisierende Tendenzen die Religion einengten, hätten amerikanische Förderer der Demokratie dazu keinen Anlass gehabt. Von hier aus zeichnet sie den Weg vom Evangelikalismus über die amerikanischen Werte zur Außenpolitik anhand historischer und kulturwissenschaftlicher Analysen nach. Verknüpft werden dabei Politik- und Kulturgeschichte. Die Autorin betont den Wert ihrer Erkenntnisse für eine europäische und insbesondere die deutsche Außenpolitik. Vor dem Hintergrund der Wahlen in den USA warnt sie vor Hoffnungen, die mit einem Sieg der Demokraten verbunden seien. Die US-Außenpolitik sei grundsätzlich von einem missionarischen Impetus bestimmt, der nicht allein der religiösen Rechten um Bush anzulasten sei – sie arbeitet entsprechende Ähnlichkeiten zwischen der Politik Bushs, Bill Clintons und Al Gores heraus. Die Vorstellung vom geteilten Land gehe am Wesentlichen vorbei, vielmehr stünden die Werte in einem widersprüchlichen Zusammenhang. Ihr Plädoyer für eine Neugestaltung der transatlantischen Beziehungen durch die Europäer versieht sie mit dem Hinweis, dass Deutschland nach dem Krieg schlicht Glück gehabt habe, Vietnam und Irak hätten der US-Intervention weniger Gutes zu verdanken. Und so hänge die Vorstellung einer besseren Außenpolitik der Demokraten mit den Erfahrungen in der Nachkriegszeit zusammen. Den Abschluss bildet eine Schau der Argumente, die einen Politikwechsel dennoch möglich erscheinen lassen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Marcia Pally: Warnung vor dem Freunde. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28875-warnung-vor-dem-freunde_34081, veröffentlicht am 24.06.2008.
Buch-Nr.: 34081
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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