/ 22.06.2013
Anton Pelinka (Hrsg.)
Vorurteile. Ursprünge, Formen, Bedeutung. Hrsg. im Auftrag des Sir Peter Ustinov Instituts zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen, Wien
Berlin: Walter de Gruyter 2012; 468 S.; 89,95 €; ISBN 978-3-11-026839-3Sir Peter Ustinov hatte sich zeitlebens nicht nur dem Humor, sondern v. a. auch der Bekämpfung von Vorurteilen verschrieben. Mit seiner Lebensgeschichte, in mehreren Kulturen verwurzelt, war er geradezu prädestiniert dazu, Vorurteile als Ursache von Konflikten zu benennen und sie auf Unkenntnis und damit auf fehlende Informationen über den Gegenstand der Betrachtung zurückzuführen. Er hat diese Zusammenhänge nicht nur bei seinen immer unterhaltsamen Auftritten auf den Punkt gebracht, sondern dafür eigens Universitätslehrstühle in Budapest und Durham sowie 2003, wenige Monate vor seinem Tod, in Wien das „Sir Peter Ustinov Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen“ gegründet. Die Einrichtung widmet sich seitdem der Entwicklung von Strategien zur Überwindung von Vorurteilen und engagiert sich für ein entsprechendes Umdenken in der Gesellschaft. Zu diesem Zweck werden u. a. Studienaufträge vergeben, Konferenzen und Gastprofessuren organisiert, aber auch die Publikation von wissenschaftlicher Literatur unterstützt. Dazu gehört auch dieses Handbuch, bei dem es sich um die deutsche Ausgabe des 2009 vom Institut herausgegebenen „Handbook of Prejudice“ handelt. Die für die Originalausgabe geschriebenen Beiträge wurden übersetzt und punktuell überarbeitet. Lediglich der erste Teil, der sich mit einzelnen Vorurteilskategorien beschäftigt, wurde in der deutschen Auflage um zwei neue Artikel zu den Themen „Antiziganismus“ und „Islamophobie“ erweitert. Der zweite, unveränderte Teil des Handbuches widmet sich einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen und deren Behandlung von „Vorurteilen“. Die Politikwissenschaft ist nicht mit einem eigenen Beitrag vertreten. Das überrascht nicht, wurde doch Vorurteilsforschung bisher hauptsächlich von der Sozialpsychologie betrieben. Sie hat allerdings zunehmend auch in anderen Disziplinen, wie z. B. den Kulturwissenschaften, eine hohe Relevanz und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Dass dazu auch die Politikwissenschaft beitragen kann, ist nach Lektüre des Bandes klar.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.23 | 4.42 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Anton Pelinka (Hrsg.): Vorurteile. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34947-vorurteile_42028, veröffentlicht am 14.06.2012.
Buch-Nr.: 42028
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Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
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