Skip to main content
/ 22.06.2013
Thomas von der Osten-Sacken / Oliver M. Piecha / Alex Feuerherdt (Hrsg.)

Verratene Freiheit. Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens

Berlin: Verbrecher Verlag 2010; 265 S.; brosch., 14,- €; ISBN 978-3-940426-51-2
Im Sommer 2009 erhob sich im Iran eine demokratische Protestbewegung. Zuvor war bekannt geworden, dass es bei den vorausgegangenen Präsidentschaftswahlen zu Wahlfälschungen gekommen war. Henryk M. Broder steht mit seinem Geleitwort für die ganze Richtung des Bandes: Der Westen sei der iranischen Protestbewegung „in den Rücken gefallen“ (10). Während die europäischen Regierungen ihre Beziehungen zu Österreich einfroren, als dort ein Kabinett unter Beteiligung von Jörg Haider gebildet wurde, sähen sie „der Entwicklung im Iran mit der Gelassenheit von Horror-Fans zu“ (7). Michael Rubin erklärt, „warum der Neokonservatismus Recht hatte und hat“ (75). Die große Ablehnung auf die George Bush gestoßen sei, erläutert der Autor, habe vor allem mit der Reaktion der Regierung auf die Anschläge vom 11. September 2001 und der folgenden Außenpolitik zu tun. Der Neokonservatismus werde jedoch missverstanden, meint der Autor. Er stehe für Demokratisierung und liberale Werte sowie außenpolitisch für eine Verknüpfung von Menschenrechten und individueller Freiheit mit nationalen Sicherheitsinteressen. Den Fehler der Diplomatie, führt Rubin weiter aus, den Gegner für aufrichtig zu halten, macht der Neokonservatismus nicht, er kombiniere Diplomatie mit militärischer Macht. Insofern rechtfertigt er die Operation Iraqi Freedom trotz der gefälschten Berichte über Massenvernichtungswaffen. Diese wären mit einem Ende der Sanktionen wieder produziert worden, ist sich Rubin sicher. Und ebenso sicher ist er sich auch, dass die Demokratisierung in Afghanistan denselben Weg nehmen wird wie in Korea. Hannes Stein zeichnet in seinem Beitrag das Bild einer siegreichen demokratischen Revolution im Iran: „Würde jetzt die ‚islamische Revolution‘ von 1979 rückgängig gemacht, könnte der Nahe Osten aus seinem fundamentalistischen Fiebertraum erwachen“ (242) und den Anschluss an die Moderne finden. Zudem sähen sich die Hamas und die Hisbollah ohne großen Unterstützer. Demgegenüber zeichnet er das Schreckbild einer Atommacht Iran und einer „radioaktiven Kuhle“ (240), die früher Tel Aviv war.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.222.232.354.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Thomas von der Osten-Sacken / Oliver M. Piecha / Alex Feuerherdt (Hrsg.): Verratene Freiheit. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32195-verratene-freiheit_38402, veröffentlicht am 17.06.2010. Buch-Nr.: 38402 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA