/ 22.06.2013
Daniel Robert Kramer
Verdeckte militärische Operationen der USA. Informelle Netzwerke, Paramilitärs und delegierte Kriegsführung in den Drogenökonomien Laos, Nicaragua, Kolumbien und Afghanistan
Berlin: Verlag Dr. Köster 2011 (Sicherheitspolitik); 275 S.; 24,80 €; ISBN 978-3-89574-779-3Der Politikwissenschaftler Kramer untersucht die Entwicklung einer zunehmend privatisierten Kriegsführung der USA. Anhand der chronologisch bearbeiteten verdeckten Kriege in Laos, Nicaragua, Kolumbien und Afghanistan wird nicht nur die Logik paramilitärischer Operationen, sondern es werden auch deren langfristige Folgen erkennbar. Die Paramilitärs der CIA, Söldner, Waffenhändler und Warlords bilden informelle Netzwerke. Diese erlauben es dem Präsidenten, Kriege jenseits demokratischer Kontrollorgane zu führen. Hierbei zeigt der Autor auf, wie gemäß der Doktrin der Plausible Deniability Operationsstrukturen verschleiert werden und dadurch Verantwortung notfalls abgestritten werden kann. Menschenrechtsverletzungen, zivile Opfer und Drogenökonomien werden toleriert, solange es geopolitischen Zielen zuträglich ist. Von staatlicher Seite sind die zentralen Strategien die „Delegation der Gewaltausübung [...], die Abwicklung der Logistik über private Unternehmen sowie die Ergänzung der finanziellen Grundlagen des Krieges durch den Drogenhandel“ (67). Gleichzeitig hat die dezentralisierte Kriegsführung in Afghanistan eine Stufe erreicht, die die erfolgreiche Koordination der Operationen erschwert. Rückblickend betrachtet hat der außenpolitische „radikale Pragmatismus“ (238) der USA zur Ausweitung des internationalen Drogenhandels, zur Förderung des internationalen Schwarzmarkts für Waffen und Söldner jenseits staatlicher Kontrollen und zum Verlust der außenpolitischen Glaubwürdigkeit der USA geführt. Fernab jeglicher Verschwörungsrhetorik stellt Kramer die Aushöhlung demokratischer Grundprinzipien empirisch dar und zeigt auf, wie die entstandenen Strukturen sich verselbstständigen und an Macht gewinnen. Insgesamt hat das Buch nicht nur sicherheitspolitische Relevanz, sondern beleuchtet auch den Wandel der Sicherheitsfunktion von Staaten und deren Rolle im internationalen System. Der Autor hinterfragt entsprechende militärische Interventionen, da zu den Gewinnern in der Regel die Drogenhändler und der militärisch-industrielle Komplex zählen – nicht jedoch die Zivilbevölkerung.
Hilmar Girnus (HG)
M. A., Politikwissenschaftler, Praktikant bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
Rubrizierung: 4.22 | 4.41 | 2.65 | 2.68 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Hilmar Girnus, Rezension zu: Daniel Robert Kramer: Verdeckte militärische Operationen der USA. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34898-verdeckte-militaerische-operationen-der-usa_41951, veröffentlicht am 26.04.2012.
Buch-Nr.: 41951
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M. A., Politikwissenschaftler, Praktikant bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
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