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/ 22.06.2013
Walter Wittmann

Unabhängige Schweiz? Perspektiven für ein reformunwilliges Land

Zürich: Orell Füssli Verlag AG 2011; 190 S.; 2. Aufl.; 34,- €; ISBN 978-3-280-05417-8
Krisendiagnosen kann man wohl derzeit an allen Orten und in allen Bereichen vorfinden – so auch in der Schweiz, wie dieses Buch belegt. Die Sorge um die Schweiz mit ihrer derzeitigen Reformunfähigkeit veranlasste Walter Wittmann, emeritierter Wirtschaftsprofessor der Universität Fribourg, es zu schreiben. Er beginnt jedoch zunächst mit der Erfolgsgeschichte der Schweiz, die – so der Autor – je nach Interpretation bis zum Ersten Weltkrieg oder bis zum Bruch des Wachstumstrends 1974/76 andauerte. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Zeit nach Mitte der 1970er-Jahre, da sich seitdem die gravierenden Veränderungen vollzogen, die zum Niedergang der Schweiz führten. Nachzulesen ist, in welchen Bereichen Probleme entstanden und wie sie konkret aussehen. Diese sieht er unter anderem im Ausverkauf der Wirtschaft und im Mangel an qualifizierten Kräften, im Niedergang der Landesverteidigung und in der Erosion des Bankgeheimnisses. Den Finanzplatz Schweiz bezeichnet er als ein „Klumpenrisiko“ (81), da die Banken zu groß seien, um sie untergehen zu lassen. Eine stärkere Regulierung mit einer Größenbeschränkung und einem Konkursregime hält der Autor für notwendig. Weitere Defizite sieht er im Gesundheitswesen, darüber hinaus sei der Steuerstaat an seine Grenzen gekommen. Auf der Liste der zwölf nationalen Probleme, die Wittmann als „Quintessenz“ (9) seiner Analyse festhält, stehen außerdem die Energieversorgung und der Sicherheitswahn. Den Alleingang der Schweiz und die Betonung der Unabhängigkeit hält er für einen „Holzweg“ (151). Seine Antworten auf diese Probleme sind weitgehend wirtschaftsfreundlich, er verlangt mehr Markt statt Staat. In einem weiteren Kapitel diskutiert Wittmann sodann die Gründe für das Ausbleiben von Reformen. Neben Angst vor ihnen und einer Priorität der Schweizer für Stabilität betrachtet er vor allen Dingen die föderalen Strukturen wie auch die direkte Demokratie kritisch, weshalb er eine fundamentale Reform des politischen Systems fordert. Seine Prognose für die nähere Zukunft fällt aufgrund der Reformunwilligkeit vieler Schweizer eher skeptisch aus, doch er geht davon aus, dass die von ihm skizzierten Reformen langfristig unumgänglich sind.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.5 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Walter Wittmann: Unabhängige Schweiz? Zürich: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34281-unabhaengige-schweiz_41144, veröffentlicht am 17.01.2013. Buch-Nr.: 41144 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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