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/ 21.06.2013
Naif Bezwan

Türkei und Europa. Die Staatsdoktrin der Türkischen Republik, ihre Aufnahme in die EU und die kurdische Nationalfrage

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Nomos Universitätsschriften: Politik 163); 347 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-4000-3
Diss. Osnabrück; Gutachter: U. Steinbach. – Die heute von der EU geforderten Beitrittskriterien wie Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz und Demokratie seien für die vergangenen 150 Jahre charakteristisch für die osmanisch- bzw. türkisch-europäischen Beziehungen. Die besonderen Herrschaftsstrukturen der Türkei, lautet Bezwans These, seien eng mit dieser Beziehungsgeschichte verknüpft. Beide Aspekte und ihre wechselseitigen Einflüsse arbeitet der Autor zunächst in einer umfangreichen historischen Darstellung heraus. Als Grundlinie in allen untersuchten Zeitabschnitten „zeigt sich ein Nationalismusverständnis, das auf Negierung, Assimilierung und Eliminierung der nichttürkischen Völker des Osmanischen Reiches bzw. der heutigen Türkei beruht und das in Verbindung mit dem Militarismus nach wie vor den Kern des Selbstverständnisses der Türkischen Republik darstellt, während die ‚Demokratie’ ihrerseits letztlich nur als Instrumentarium zur nationalen Homogenisierung aufgefasst wird” (36). Besonders deutlich zeige sich dies an der Kurdistanfrage, deren Entstehung und Entwicklung Gegenstand eines eigenen Kapitels ist. Ein relevanter Einflussfaktor für die innenpolitische Entwicklung ist die geostrategische Lage des Osmanischen Reiches bzw. der Türkei. Phasen der geopolitischen Aufwertung der Türkei durch Europa hätten jedes Mal zu einer repressiven Phase in der türkischen Innenpolitik geführt: „Je mehr die Türkei durch den Westen militärisch, politisch und wirtschaftlich unterstützt wurde, umso mehr entfernte sie sich von der gesamteuropäischen Entwicklung im Hinblick auf Demokratie, auf Rechtsstaatlichkeit, auf den Minderheitenschutz und auf die friedliche Beilegung der Konflikte.“ (205) Insofern erweise sich das gegenwärtige Konzept der „strategischen Partnerschaft” als besonders problematisch, da damit die volle Unterstützung der Türkei durch Europa signalisiert würde, ohne „zugleich ihre Demokratisierung zur Voraussetzung zu machen”. Vielmehr würden „die autoritären Herrschaftsstrukturen als ‚nationale Besonderheiten’” (206) anerkannt.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.632.212.234.223.62.254.42 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Naif Bezwan: Türkei und Europa. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30296-tuerkei-und-europa_35951, veröffentlicht am 08.04.2009. Buch-Nr.: 35951 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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