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/ 22.06.2013
Stefan Rüb / Hans-Wolfgang Platzer / Torsten Müller

Transnationale Unternehmensvereinbarungen. Zur Neuordnung der Arbeitsbeziehungen in Europa

Berlin: edition sigma 2011 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 134); 261 S.; 18,90 €; ISBN 978-3-8360-8734-6
Die von der EU 1994 verabschiedete Richtlinie über Europäische Betriebsräte (EBR) hat bislang zu einem zwar begrenzten, seit der Jahrtausendwende aber zumindest wachsenden Segment transnationaler Unternehmensvereinbarungen geführt. Der diesbezügliche Forschungsfokus lag bislang allerdings vor allem auf Einzelfällen und den konkreten Ergebnissen der Vereinbarungen bzw. auf den Strategien der beteiligten Akteure. Wenig Aufmerksamkeit wurde hingegen der Frage nach der ordnungsschaffenden Funktion transnationaler Verhandlungsprozesse geschenkt. Vor dem Hintergrund des weitgehenden Fehlens eines europäischen Rechtsrahmens, an dem sich die beteiligten Akteure orientieren können, liegt es jedoch nahe, dass die Bedeutung der einzelnen Vereinbarungen nicht nur in ihren inhaltlichen Ergebnissen liegt; im Rahmen dieser (politisch umkämpften) Prozesse wird hier „zugleich die Ordnung einer europäischen Vereinbarungspolitik auf Unternehmensebene mitverhandelt“ (15). Auf diese Frage richtet sich das wissenschaftliche Interesse der Autoren. Auf der empirischen Grundlage von zehn Unternehmensfallstudien (vorrangig aus dem Metallsektor) zeigen sie, dass sich aus mehreren Gründen eine einheitliche Ordnung europäischer Arbeitsbeziehungen bislang (noch) nicht abzeichnet. Unter anderem tragen hierzu die unterschiedlichen Erfahrungen der Akteure mit den nationalen Verhandlungskulturen bei, aber auch die Tatsache, dass aufgrund des freiwilligen Charakters von EBR-Verhandlungen den Interessen der jeweiligen Unternehmen eine größere Rolle zukommt als im nationalen Kontext. Aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsbeziehungssysteme in den EU-Mitgliedstaaten unterscheidet sich zudem das jeweilige Zusammenspiel zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten erheblich (tendenziell lassen sich hier ein französisches sowie ein deutsches Verhandlungsmuster herauskristallisieren) und nicht zuletzt verhinderte der vergleichsweise geringe Organisationsgrad der europäischen Arbeitnehmerbewegung bislang einen ausreichenden Informationsaustausch und innerorganisatorischen Diskurs. Insgesamt eröffnet die Studie interessante Einblicke nicht nur in die jeweiligen Verhandlungsmuster, sondern auch in die dahinterstehenden Macht- und Interessenkonstellationen sowie potenzielle Fragen, Probleme und Zukunftsoptionen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 3.53.13.44.3 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Stefan Rüb / Hans-Wolfgang Platzer / Torsten Müller: Transnationale Unternehmensvereinbarungen. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34562-transnationale-unternehmensvereinbarungen_41518, veröffentlicht am 02.02.2012. Buch-Nr.: 41518 Rezension drucken
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