/ 21.06.2013
Jens Kroh
Transnationale Erinnerung. Der Holocaust im Fokus geschichtspolitischer Initiativen
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2008; 266 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-38598-3Sozio. Diss. Gießen; Gutachter: C. Leggewie. – Kroh thematisiert die noch vergleichsweise junge Geschichte der politischen Transnationalisierung der Holocaust-Erinnerung. Dabei entwickelt sich der Holocaust gleichzeitig zu einem globalen Erinnerungsort wie zum Gegenstand internationaler Politik. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen der Verlauf dieser Transnationalisierung, die Akteure und die Implikationen dieser Entwicklung. Einen wichtigen Stellenwert nimmt dabei die Stockholmer „Holocaust-Konferenz“ ein, bei der im Jahr 2000 etwa 600 Politiker, Wissenschaftler und Zeitzeugen aus mehr als vierzig Ländern zusammenkamen. Zum anderen wird die 1998 gegründete „Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research“ (ITF) einer eingehenden Analyse unterzogen. Die Transnationalisierung des Holocaust wird am Beispiel des Verlaufs der Konferenz sowie ihrer Auswirkungen einerseits und der Organisation sowie konkreten Arbeit der ITF andererseits herausgearbeitet. Während die Konferenz im Bereich symbolischer Geschichtspolitik anzusiedeln ist und ihr die wichtige Funktion des Agenda Settings zukommt, wird gezeigt, wie sich mit der ITF durch den ständigen Austausch zwischen Akteuren des politisch-administrativen Systems, Wissenschaftlern und Pädagogen aus zahlreichen Ländern eine neue Form multilateraler Zusammenarbeit in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem Holocaust herausbildet. Dieser Prozess wird insgesamt zum einen charakterisiert als ein Versuch von Wissenschaft und Politik, Deutungs- und Gestaltungsmacht in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zurückzugewinnen, welche durch die zunehmende Medialisierung der Holocaust-Erinnerung verloren gegangen ist. Für Kroh handelt es sich zum anderen um den „Ausdruck und Katalysator eines ebenso trans- wie internationalen Normierungsprozesses, in dessen Zuge der Holocaust als zentrale negative Referenz eines offiziellen europäischen Gedächtnisses etabliert wird“ (233).
Jan Schedler (JS)
Diplom-Sozialwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Fakultät für Sozialwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 4.43
Empfohlene Zitierweise: Jan Schedler, Rezension zu: Jens Kroh: Transnationale Erinnerung. Frankfurt a. M./New York: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29014-transnationale-erinnerung_34258, veröffentlicht am 24.06.2008.
Buch-Nr.: 34258
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Diplom-Sozialwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Fakultät für Sozialwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum.
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