/ 09.04.2015
Heinrich-Böll-Stiftung / Regine Schöneberg (Hrsg.)
Transnational Organized Crime. Analyses of a Global Challenge to Democracy
Bielefeld: transcript Verlag 2013 (Political Science 17); 308 S.; kart., 24,80 €; ISBN 978-3-8376-2495-3Transnationale Organisierte Kriminalität (TOK) als „inhärentes Merkmal der wirtschaftlichen Globalisierung“ (11), so stellt Regine Schönenberg gleich eingangs fest, betrifft und bedroht Staaten weltweit. Angesichts eines größer werdenden Graubereichs, der sich aus dem Zusammenspiel von internationalen kriminellen Strukturen, legalen wirtschaftlichen Prozessen und politischen Kontexten ergibt, sehen die Herausgeber_innen in der TOK eine besondere Gefahr für die Legitimität demokratischer Systeme. In 25 teils kurzen Beiträgen und Interviews von Journalisten, Wissenschaftlern und Praktikern bietet der Sammelband unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklung, Probleme und möglichen Ansätze zur Bekämpfung von TOK. Der Anspruch, ein holistisches Bild des Phänomens zu zeichnen, zeigt sich dabei nicht nur in der regionalen Breite der Beiträge – betrachtet werden unter anderem Afghanistan, Mexiko, Brasilien, der Balkan und die EU – sondern auch in der Thematisierung der häufig vernachlässigten zivilgesellschaftlichen Ansätze im Umgang mit organisierter Kriminalität. Dazu liefert Edgardo Buscaglia in seinem Beitrag zu den rechtlichen und sozialen Voraussetzungen für die Eindämmung von TOK beispielweise die „best practices“. Verstehe man organisierte Kriminalität als die „Auswüchse sozialer, politischer und ökonomischer Dysfunktion innerhalb von Staaten und Gesellschaften“ (62), ließen sich diese über juristische Mittel hinaus nur durch soziale und politische Maßnahmen nachhaltig bekämpfen. Ein Weg, rechtlichen Instrumenten Legitimität zu verleihen, kann nach Buscaglia die Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen wie Opferverbände, Anwaltsvereinigungen oder juristische Fakultäten sein. Ingrid Spiller zeigt am Beispiel Mexikos, welche konkreten Strategien zivilgesellschaftliche Akteure angewendet haben. Für sie unterscheiden sich neuere Protestbewegungen von ihren Vorgängern zwar darin, dass sich mit „Christen und Zapatisten, Feministen, Menschenrechtsorganisationen, indigenen Gruppen, der politische Linken, Jugendlichen und Medienvertretern“ (171) erstmals eine breite Bewegung bilden konnte. Diese Diversität habe sich angesichts von Divergenzen über die Ziele und Vorgehensweisen allerdings nicht immer als Stärke erwiesen. Insgesamt vermittelt der Band, der auf einer von der Heinrich‑Böll‑Stiftung im Juni 2011 abgehaltenen internationalen Konferenz basiert, – trotz oder gerade wegen der zahlreichen Perspektiven auf das Thema – ein Verständnis für die Vielschichtigkeit des Problems und die Notwendigkeit umfassenderer Ansätze.
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Rubrizierung: 4.45 | 2.2 | 2.23 | 3.5 | 2.61 | 2.65 | 2.67 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Heinrich-Böll-Stiftung / Regine Schöneberg (Hrsg.): Transnational Organized Crime. Bielefeld: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38261-transnational-organized-crime_44463, veröffentlicht am 09.04.2015. Buch-Nr.: 44463 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA