Skip to main content
/ 22.06.2013
Craig Phelan (Hrsg.)

Trade Unions in West Africa. Historical and Contemporary Perspectives

Oxford u. a.: Peter Lang 2011 (Trade Unions Past, Present and Future 7); 282 S.; 47,50 €; ISBN 978-3-0343-0117-6
Phelan setzt die von ihm herausgegebene Reihe mit einem spannenden und zugleich längst überfälligen Buch fort – überfällig, weil die englischsprachigen Veröffentlichungen zu Gewerkschaften in Westafrika (im Gegensatz zu Südafrika) in den vergangenen Jahrzehnten an wenigen Fingern abzuzählen sind. Wissenschaftliche Aufmerksamkeit wurde den Gewerkschaften in Ländern wie Benin, Gambia, Mali oder dem Senegal bereits einmal vorübergehend in den 1950er- und 1960er-Jahren zuteil, als diese eine bedeutsame Rolle im Rahmen der Kämpfe für Unabhängigkeit und Demokratisierung spielten. Seitdem ließ sich jedoch ein starker Rückgang des internationalen wissenschaftlichen Interesses verzeichnen, auch weil die dortigen Rahmenbedingungen für (klassisches) gewerkschaftliches Handel aufgrund der geringen Industrialisierungsquote – teils verschärft durch die Stabilisierungsprogramme von IWF und Weltbank – alles andere als vorteilhaft waren und sind. Die Beiträge des Buches führen an zahlreichen Länderbeispielen in die Entwicklung und Rolle von Gewerkschaften in historischer und gegenwartsbezogener Perspektive ein und orientieren sich dabei an vier zentralen Themenkomplexen: die Phase der Unabhängigkeitsbewegungen, die Rolle der Gewerkschaften in den der Unabhängigkeit vielfach folgenden Militär- und Einparteienstaaten, das Thema Armut und Verschuldung sowie die jüngeren demokratischen Transformationen. Die Autoren zeigen, dass den westafrikanischen Gewerkschaften im Rahmen zivilgesellschaftlicher und sozialer Bewegungen bis heute eine bedeutende Rolle zukommt, nicht zuletzt, weil die Gewerkschaften aufgrund der zahlenmäßigen Schwäche des öffentlichen und industriellen Sektors immer wieder den Schulterschluss mit anderen Bewegungen suchen müssen. Aus eben diesem Grund hängt der zukünftige Einfluss der Gewerkschaftsbewegungen in der Region aber auch wesentlich davon ab, ob es ihnen gelingt (und gelingen will), die zahlreichen informell Beschäftigten zu mobilisieren. Anderenfalls droht auf mittlere Sicht der Ausbau von Eliteorganisationen, die – ob gewollt oder nicht – ihren Anteil an der ökonomischen Entwicklung des Kontinents auf Kosten der sozial Schwachen sichern.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.672.22 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Craig Phelan (Hrsg.): Trade Unions in West Africa. Oxford u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34793-trade-unions-in-west-africa_41829, veröffentlicht am 26.07.2012. Buch-Nr.: 41829 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA