/ 11.06.2013
Bev Clucas / Gerry Johnstone / Tony Ward (Hrsg.)
Torture: Moral Absolutes and Ambiguities
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Studien zur Politischen Soziologie 2); VII, 206 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-4077-5Vor noch nicht allzu langer Zeit war die einzige respektable Form für philosophische, rechtswissenschaftliche und politische Gelehrte nach Folter zu fragen, wie man ihr Verbot am wirkungsvollsten sicherstellt. Mittlerweile jedoch haben einige führende Rechtsanwälte und Rechtstheoretiker gegen die Ansicht gefochten, die Folter absolut abzulehnen. Das Argument lautet, dass unter gewissen Umständen Folter moralisch zulässig oder sogar geboten sein kann. Die Spannweite dieser Debatte, die von absoluter Ablehnung bis zur Forderung reicht, das heutige Recht an die neuen Realitäten anzupassen, wird in den Beiträgen von politischen Theoretikern, Philosophen, Soziologen und Historikern deutlich. Uwe Steinhoff führt in seinem Beitrag zur Rechtfertigung einer defensiven Folter aus, dass es seiner Ansicht nach im Falle der Selbstverteidigung oder im Falle der Verteidigung anderer sowohl in juristischer als auch in moralischer Hinsicht vertretbar sei zu foltern. Einen Terroristen zu foltern, um Informationen über dessen Netzwerk zu erlangen, sei aber kein zulässiges Beispiel für eine Defensivfolter, im bekannten Fall Daschner hingegen schon. Gleichwohl spricht sich Steinhoff strikt gegen eine Institutionalisierung von Folter oder gar deren Training aus. Ihm widerspricht Hauke Brunkhorst in seinem Beitrag über Folter und Demokratie. Er legt dar, dass ein Konzept wie die Rettungsfolter zwar mit der europäischen Rechtstradition und in gewisser Weise auch mit dem Rechtsstaat vereinbar wäre, sieht dies aber im Falle eines Rechtsstaates, der auch eine Demokratie ist, nicht gegeben. Er argumentiert über das Verfassungsverständnis und schließt: „There can be no doubt that the principle of democratic inclusion and the idea of self-legislative rulership of all ruled individual human beings […] categorically excludes torture“ (81). Legalisierte Folter würde die demokratische Selbstbestimmung unterminieren, die Freiheit Ja oder Nein zu sagen. Der Band geht auf eine Konferenz zur Zulässigkeit von Folter im November 2007 an der Universität von Hull zurück.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.44 | 2.21 | 2.64 | 4.42 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Bev Clucas / Gerry Johnstone / Tony Ward (Hrsg.): Torture: Moral Absolutes and Ambiguities Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9629-torture-moral-absolutes-and-ambiguities_36634, veröffentlicht am 02.07.2009.
Buch-Nr.: 36634
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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