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/ 22.06.2013
Julia Harfensteller

The United Nations and Peace. The Evolution of an Organizational Concept

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011; XIV, 355 S.; 54,80 €; ISBN 978-3-631-61926-1
Politikwiss. Diss. Bremen; Gutachter D. Senghaas, D. Busse. – Der Friedensbegriff, den die Vereinten Nationen (VN) als oberstes Ziel und ersten Zweck ihrer Einrichtung und ihrer Arbeit ausweisen, unterlag seit der Gründung der internationalen Organisation zahlreichen Bedeutungserweiterungen. Diese semantischen Transformationen des handlungsleitenden Friedensbegriffs im Rahmen der Diskurse der VN untersucht Harfensteller in diesem Buch. Während die meisten Forschungsbeiträge der sogenannten United Nation Studies sich in detaillierter Weise mit den institutionellen Defiziten und etwaigen Lösungsmöglichkeiten beschäftigen und der Frage nachgehen, wie die VN am besten und effizientesten Frieden schaffen kann, fragt die Politologin, was Frieden für den Sicherheitsrat, die Vollversammlung und das Generalsekretariat bedeutet. Der Friedensbegriff erscheint bei ihr als organisatorisches Muster („organizational frame“, 5). Damit ist gemeint, dass das jeweilige Friedenskonzept einerseits die Perzeption einer (friedlichen oder weniger friedlichen) Wirklichkeit vonseiten der Organisation konstruiert und insofern unmittelbar Einfluss auf ihre Entscheidung über Strategien und Maßnahmen nimmt. Andererseits wird der semantische Gehalt des Friedensbegriffs vice versa durch die Entscheidungen und Handlungen der Organisation konstituiert. Harfensteller behauptet daher, Begriffs- und Institutionengeschichte in einem zu liefern. Das untersuchte Wechselspiel zwischen diskursiven Bedeutungsverschiebungen auf der einen und dem konkreten Handeln der Organisation auf der anderen Seite basiert indes auf einer rigiden analytischen Unterscheidung von Diskurs und politischem Handeln, die theoretisch unreflektiert bleibt. Diese Kritik an der Trennung von Rhetorik und Handeln, die Harfenstellers Arbeit zugrunde liegt, ändert jedoch nichts daran, dass ihre begriffsgeschichtlich informierte Perspektive auf die VN eine Alternative zu einer „internationalen Ontologie“ (VII) in der Erforschung internationaler Organisationen skizziert und zeigen kann, inwiefern wir die VN als Akteur der internationalen Politik wahrnehmen müssen.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.3 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Julia Harfensteller: The United Nations and Peace. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34801-the-united-nations-and-peace_41837, veröffentlicht am 03.05.2012. Buch-Nr.: 41837 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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