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/ 22.06.2013
Lai Sing Lam

The Romance of the Three Kingdoms and Mao's Global Order of Tripolarity

Oxford u. a.: Peter Lang 2011; 235 S.; pb., 38,- €; ISBN 978-3-0343-0713-0
Internationale Politik wird überwiegend als rationale Angelegenheit konzipiert. Es mögen sich ideologisch formierte Blöcke gegenüberstehen, ihre Interaktion selbst wird jedoch als ideologiefreier Bereich gefasst. Diesen Verallgemeinerungen und Vereinfachungen widersprechen kulturorientierte Ansätze der internationalen Politik. Mit ihnen wird der Einfluss von tradierten Narrativen, Normen und Ideologien auf das Verhalten von Staaten und die Konstitution des internationalen Systems untersucht. Dieser konstruktivistischen Position verpflichtet sich auch Lam, wenn sie den Einfluss des „Romans der Drei Königreiche“ auf die Außenpolitik der Volksrepublik China (VRC) unter Mao aufzeigt. Ausgangspunkt dieses postulierten Zusammenhangs von Literatur und Politik ist das Wissen um Maos intensive Rezeption historischer literarischer Texte und das Studium seiner archivierten Annotationen und Kommentierungen. Inspiriert durch den Roman, so die These Lams, habe Mao versucht, eine tripolare Weltordnung zu errichten, sodass er nach dem Vorbild der drei Königreiche Shu, Wie und Wu und ihrer politischen Führer hätte wechselnde taktische Allianzen mit den USA respektive der Sowjetunion eingehen können. In der Tat wandte sich Mao zu Beginn der 1950er-Jahre zunächst der Sowjetunion zu, um die Macht des imperialen Westens zurückzudrängen. Als die beiden Großmächte sich nach dem Ende des Koreakrieges annäherten, versuchte Mao zunächst erfolglos, eine Allianz mit dem Westen zu schmieden. Zwischen 1949 und 1990 tauschten die Sowjetunion und die USA folglich mehrfach den Status des primären und des sekundären Feindes der VRC. Angesichts der guten Quellen- und Archivarbeit gelingt es Lam, den Zusammenhang von Romanerzählung und der Außenpolitik Maos zu plausibilisieren. Was dem Buch aus einer politologischen Perspektive fehlt, ist indes eine Auseinandersetzung mit anderen theoretischen Erklärungsansätzen des außenpolitischen Handelns. So ließe sich Maos Außenpolitik durchaus als zweckrational-strategisches Handeln rekonstruieren, das ohne das Wissen von der Erzählung der „Drei Königreiche“ genau so und nicht anders ausgesehen hätte.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.222.68 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Lai Sing Lam: The Romance of the Three Kingdoms and Mao's Global Order of Tripolarity Oxford u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34806-the-romance-of-the-three-kingdoms-and-maos-global-order-of-tripolarity_41842, veröffentlicht am 03.05.2012. Buch-Nr.: 41842 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA