/ 22.06.2013
Nicolas Franckx
The Hungarian Minority of Transylvania. A First Assessment of the Transition Period 1990-2007
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012 (Prager Schriften zur Zeitgeschichte und zum Zeitgeschehen 4); 152 S.; pb., 28,- €; ISBN 978-3-631-61686-4Masterarbeit Prag. – Ziel des Autors ist es, die historische Genese der beiden miteinander in Verbindung stehenden Varianten des Nationalismus in Ungarn und Rumänien zu verstehen, um so den bis heute bestehenden latenten Konflikt zwischen beiden Nationen nachvollziehen zu können. Dabei legt Franckx sein Hauptaugenmerk speziell auf Transsilvanien, da 98 Prozent der ungarischen Bevölkerung Rumäniens in dieser Region leben. Zu Beginn seiner Studie macht er zunächst klar, welches Gebiet er genau als Transsilvanien bezeichnet und diskutiert sodann die (westlich orientierten) theoretischen Überlegungen zu Minderheiten und ihrem notwendigen rechtlichen Schutz. In ihrer Übertragung auf Rumänien stellt er fest, dass sich die ungarische Minderheit Transsilvaniens auf keine westlich orientierten Standards berufen kann. Dies heißt jedoch nicht, dass es überhaupt keinen rechtlichen Minderheitenschutz in Rumänien gibt. Vielmehr seien die Kopenhagener Kriterien durch den Beitrittswillen Rumäniens zu einer Art inoffiziellem Standard geworden, der sich seit 1990 nach und nach herausgebildet habe. Auch bilaterale Verträge und der euro-atlantische Integrationsprozess haben zum Schutz der Minderheiten beigetragen. Die praktische Umsetzung der Minderheitenrechte sei noch nicht erschöpfend erforscht, stellt Franckx fest. Die bisherigen Studien zeigten jedoch, dass eine tatsächliche Verbesserung konstatiert werden könne und sie parallel mit der Stabilisierung der politischen Strukturen in Rumänien verlaufe. Nichtsdestotrotz sei die Situation aus Sicht der ungarischen Minderheit nicht befriedigend: Sie wünsche sich beispielsweise, die Alltagskultur auch in der Schule praktizieren zu können und träume von einer territorialen Autonomie. Diese Vorstellungen harmonisierten nicht mit dem zentralistischen Charakter Rumäniens, für dessen Herausbildung es in der Geschichte gute Gründe gebe und an dem das Land weiterhin festhalte. Die widersprüchlichen Interessen von Rumänen und Ungarn könnten auch in einem Konflikt gipfeln, dessen Ausgang offen sei. Wenngleich die Situation in Rumänien verschieden von der in Belgien ist, sieht der Autor auch Parallelen und geht am Ende seiner Untersuchung kurz auf diese ein.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.42 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Nicolas Franckx: The Hungarian Minority of Transylvania. Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35305-the-hungarian-minority-of-transylvania_42525, veröffentlicht am 16.08.2012.
Buch-Nr.: 42525
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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