/ 12.09.2013
Ousman Njikam
The Contribution of the Special Court for Sierra Leone to the Development of International Humanitarian Law
Berlin: Duncker & Humblot 2013 (Beiträge zum Internationalen und Europäischen Strafrecht 18); 332 S.; 77,90 €; ISBN 978-3-428-83962-9Rechtswiss. Diss. Göttingen; Begutachtung: K. Ambos, P.‑T. Stoll. – Ousman Njikam fragt, in welchem Maße und auf welchen Rechtsgebieten der 2002 auf Basis eines Vertrages zwischen den Vereinten Nationen und Sierra Leone eingerichtete Sondergerichtshof für das Land zur Entwicklung des internationalen Völkerrechts beigetragen hat. Wegen seiner vertraglichen Ausgestaltung kann der Sondergerichtshof auf internationale und nationale Rechtsverstöße reagieren, was ein historisches Alleinstellungsmerkmal („Hybridgericht“, 286) für diese mit der Konfliktaufbereitung befasste Institution ist. Der Autor beginnt seine Darstellung mit einer chronologischen Rekonstruktion der Ursachen und des Verlaufs des Bürgerkrieges in Sierra Leone. Daran anschließend stellt er die Statuten des Gerichtshofes vor, um dann – nach internationaler und nationaler Reichweite unterteilt – verschiedene Rechtsprechungsmaterien und Gerichtsentscheidungen zu erläutern. Nach dieser umfassenden Darstellung kommt er zu dem ambivalenten Schluss, dass der Sondergerichtshof schon alleine durch die Bearbeitung von vorher in der internationalen Rechtsprechung nicht adressierten Tatbeständen und Problemfeldern (Rekrutierung von Kindersoldaten, Status und Immunität von Regierungschefs etc.) zur Weiterentwicklung der internationalen Rechtsprechung beigetragen habe. Andererseits, so Njikam, habe der Sondergerichtshof die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gerade mit Blick auf den Umgang mit Kindern als Kombattanten nicht hinreichend ausgeschöpft. „Diese Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass der Special Court einen mäßigen Beitrag zu der Entwicklung des humanitären Völkerrechts geleistet hat.“ (289) Ein mäßiger Beitrag, das bleibt allerdings auch zu erwähnen, ist angesichts der Gräuel, denen die Zivilbevölkerung während des Krieges ausgesetzt war, trotz allem ein wichtiger Beitrag. Das gilt gleichsam auch für Njikams Dissertation, die für Arbeiten im Zusammenhang mit Friedens‑ und Versöhnungspolitik nicht nur in Afrika anschlussfähig ist.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 4.3 | 4.42 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Ousman Njikam: The Contribution of the Special Court for Sierra Leone to the Development of International Humanitarian Law Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36169-the-contribution-of-the-special-court-for-sierra-leone-to-the-development-of-international-humanitarian-law_43988, veröffentlicht am 12.09.2013.
Buch-Nr.: 43988
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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