/ 21.06.2013
Daniel Witte
Terrorismus und Rationalität. Zur Rational-Choice-Analyse des 11. September
Münster: Lit 2005 (Gesellschaft und Kommunikation 1); 214 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-8258-8843-5Soziolog. Magisterarbeit. – Witte stellt die „Frage nach der Rationalität terroristischen Handelns, genauer: der Terroristen des 11. September 2001“ (16). Rationalität wird von ihm dabei im Sinne des in weiten Teilen der Soziologie dominanten Rational-Choice-Paradigmas verstanden. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Im ersten wird das Phänomen des Terrorismus begrifflich und typologisch analysiert und kultursoziologisch nach den Grundlagen des islamisch-fundamentalischen Terrors gefragt. Im zweiten Teil werden die wichtigsten Rational-Choice-Theorien auf sehr anschauliche Weise knapp rekapituliert und anschließend auf religiös-fundamentalistische Terroranschläge wie die des 11. Septembers angewendet. Das Ergebnis der Studie spielt den Kritikern des Rational-Choice-Ansatzes in die Hände. Zwar ist nach Witte die terroristische Strategie (die Anschläge aus der Sicht der „Planer“) durchaus als zweckrational zu rekonstruieren, jedoch nur bei „intensive[r] Integration kultursoziologischer Erkenntnisse“ (188), die Witte im ersten Teil seiner Studie – ohne Bezug auf die Theorie rationaler Wahl – diskutiert. Zur Erhellung der Motive der Selbstmordattentäter hingegen kann die Rational-Choice-Theorie Witte zufolge keinen Beitrag leisten: „Die Phänomene der Selbstmord-Attentate […] stellen die rationalistischen Denkmuster des Westens und seine vermeintlich universale Vernunft vor große Probleme.“ (191)
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.25 | 4.41 | 5.45
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Daniel Witte: Terrorismus und Rationalität. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26223-terrorismus-und-rationalitaet_30529, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30529
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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