/ 22.06.2013
Stefan Kadelbach (Hrsg.)
60 Jahre Integration in Europa. Variable Geometrien und politische Verflechtung jenseits der EU
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Schriften zur Europäischen Integration und Internationalen Wirtschaftsordnung 23); 159 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-6282-1Die Vertiefung der EU ist an Grenzen gekommen und dennoch scheint der Bedarf an internationaler Kooperation eher zu- als abzunehmen. Mit dieser Erkenntnis starten der Herausgeber und die Autoren des Sammelbandes, der im Rahmen des Frankfurter Walter Hallstein-Kolloquiums 2009 entstanden ist, ihren Versuch, die Stärken des Konzepts der variablen Geometrien herauszuarbeiten. Dieses Konzept soll dem Problem Rechnung tragen, das aus dem sinkenden Handlungsspielraum der einzelnen nationalen Regierungen resultiert. Nationale Regierungen, so Kadelbach, kompensierten diesen Handlungsverlust durch die Problemlösungskapazität internationaler Organisationen, tragen dabei jedoch gleichzeitig zu einem steigenden Legitimationsdefizit bei. Daase illustriert das Konzept der variablen Geometrie am Beispiel der Sicherheitspolitik und erläutert, wie internationale Institutionen, z. B. EU, NATO und OSZE, vom Konzept der „interlocking institutions“ (50) Ende der 80er-Jahre hin zu einer flexibleren und somit variablen Geometrie gelangt sind. Die variable Geometrie, zu der neben der institutionalisierten Zusammenarbeit von internationalen Institutionen (z. B. das Berlin-Plus-Abkommen 1996) auch „opt-out“-Klauseln gehören, habe sich als effektiver als die „interlocking institutions“ erwiesen. Dennoch bleibe die Gefahr der Informalisierung und damit die Notwendigkeit fester Institutionen bestehen. Dass kooperative interinstitutionelle Beziehungen durchaus auch kompetitiven Charakter besitzen können, zeigt Koch anhand der Beziehungen zwischen EU und NATO. Die Zustimmung der EU zum Erstinterventionsrecht der NATO im Berlin-Plus-Abkommen wertet er dagegen als legitimationsförderndes Verhalten gegenüber den NATO-Staaten, die nicht der EU angehören. Der Band versammelt für fachinteressierte Lesende interessante Aufsätze zur Auswirkung variabler Geometrien in der Sicherheits-, Bildungs- und Finanzpolitik und ist damit unverändert aktuellen Themen gewidmet.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 3.1 | 4.3 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Stefan Kadelbach (Hrsg.): 60 Jahre Integration in Europa. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33843-60-jahre-integration-in-europa_40552, veröffentlicht am 14.07.2011.
Buch-Nr.: 40552
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Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
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