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/ 12.11.2015
Raif Badawi

1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke. Aus dem Arabischen von Sandra Hetzl. Hrsg. von Constantin Schreiber

Berlin/Frankfurt a. M.: Ullstein 2015; 62 S.; 4,99 €; ISBN 978-3-550-08120-0
„Ich habe versucht, die Mauern der Unwissenheit niederzureißen, die Heiligkeit des Klerus zu brechen, ein wenig Pluralismus zu verbreiten und Respekt vor Werten wie Ausdrucksfreiheit, Frauenrechten und den Rechten von Minderheiten und Mittellosen in Saudi‑Arabien.“ (15) So beschreibt Raif Badawi, wie er in das Gefängnis kam, aus dem er nun seine Worte speziell an die deutschen Leserinnen und Leser richtet. Der saudische Intellektuelle und Internet‑Aktivist gilt mittlerweile weltweit als Symbol und Mahner für Meinungsfreiheit und Menschenrechte im Allgemeinen. Aufgrund seiner Blog‑Texte wurde er 2014 in seiner Heimat wegen Beleidigung des Islam zu zehn Jahren Haft und 1.000 Stockhieben verurteilt. Der Journalist Constantin Schreiber veröffentlicht nun einige der mittlerweile von den saudischen Behörden gelöschten Texte sowie einen Brief Badawis aus der Gefangenschaft. Er vertritt seine Ansichten besonnen, aber dennoch klar und eindeutig, womit er sich bewusst vom „arabische[n] Denker“ abheben will: „Der arabische Denker hat sich aber, auch wenn er frei denken will, daran gewöhnt, sich in seinen Texten um den Kern seiner Aussagen herumzuwinden, um diese aus der Schusslinie zu nehmen und überhaupt durchzubekommen.“ (30) Badawi dagegen stellt sich freiwillig der Macht in den Weg und bekennt sich offen zu Meinungsfreiheit und Liberalismus, zur Würdigung des Individuums und zur Gleichstellung von Mann und Frau. Das religiöse Denken stehe dem und der Zivilisation insgesamt im Weg. „Die Hauptmission einer jeden Theokratie ist es, jegliche Vernunft zu töten, den historischen Materialismus und den gesunden Menschenverstand rigoros zu bekämpfen und die Massen, so gut es geht, in die absolute Verdummung zu treiben“ (46). Daher befürwortet er einen liberalen „Staat ohne Religion“ (35), der die Religionsfreiheit und die Gleichheit aller Religionen bewahrt. In den Texten ist die Ahnung Badawis herauszulesen, mit seinen veröffentlichten Gedanken in Saudi‑Arabien seine Freiheit und körperliche Unversehrtheit zu riskieren, dennoch folgte er seinem Wunsch nach einer veränderten, offenen Gesellschaft. Unübersehbar glaubt er an die Kraft der Worte. „Es kann uns allen nur Mut machen“, so Constantin Schreiber, „dass inmitten eines der konservativsten Länder der Welt ein junger Mann so freiheitlich denkt und sich dafür in Gefahr begibt“ (14).
{SWI}
Rubrizierung: 2.232.252.632.274.42 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Raif Badawi: 1000 Peitschenhiebe. Berlin/Frankfurt a. M.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39070-1000-peitschenhiebe_47104, veröffentlicht am 12.11.2015. Buch-Nr.: 47104 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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