/ 22.06.2013
Jivanta Schoettli
Strategy and Vision in Politics: Jawaharlal Nehru's policy choices and the designing of political institutions
Online-Publikation 2009 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=998022764); 402 S.Politikwiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: S. K. Mitra. – Der Autor untersucht die politische Biografie des indischen Politikers Nehru, der nach Gandhi zweiten legendären Führergestalt des Landes. Nicht nur sei die Literatur zu Nehru häufig anekdotisch bis völlig unkritisch, merkt Schoettli an, zudem existiere in der Forschung eine Lücke für den Zeitraum der 50er-Jahre, einer wichtigen Periode im Transitionsprozess des postkolonialen Staates, in der wichtige Grundlagen für die späteren Institutionen des Landes gelegt wurden. Der Autor will die Gründe für Nehrus politisches Handeln sowie dessen Konsequenzen identifizieren. Schoettli wählt drei zentrale Zielbereiche von Nehrus Modernisierungspolitik zur Analyse: den säkularen Staat, eine selbstständige Außenpolitik und eine tragfähige Wirtschaft. Anhand des Modells einer „cognitive map“ stellt der Autor die kausalen Überzeugungen und Grundannahmen von Nehrus Politik heraus. So erläutert er mit Bezug auf Religion und Weltlichkeit, dass Nehrus Denkweise eine Tendenz zum Wahrnehmen in Schwarzweißschemata und dem Denken in starken Gegensätzen gezeigt habe. Bezüglich der ökonomischen Entwicklung und des Sozialismus habe Nehrus Interesse vor allem der Politik gegolten, wie nämlich die Anwendbarkeit der sozialistischen Ziele auf Indien über konsensgesteuerte Verfahren gewährleistet werden könne. Zur Außenpolitik äußerte Nehru sich überraschend wenig in seinen Schriften und die Tendenz gehe eher in Richtung spontaner Aussagen als auf eine konkrete Politik, schreibt Schoettli. Vor diesem Hintergrund zieht er Rückschlüsse auf die Möglichkeiten, Grenzen und Konsequenzen von Nehrus Handeln anhand dreier exemplarischer politischer Projekte. Es zeige sich zum einen, dass konsensbasierte Politik eine bessere zukünftige Anpassungsfähigkeit besitze, sodann dass politische Vorhaben, die keine andere Basis als die Überzeugung des Akteurs haben, nicht dauerhaft sind und schließlich: „Institutions that are instrumentalised by the author at the time of creation are likely to remain contentious“ (370).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jivanta Schoettli: Strategy and Vision in Politics: Jawaharlal Nehru's policy choices and the designing of political institutions 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32000-strategy-and-vision-in-politics-jawaharlal-nehrus-policy-choices-and-the-designing-of-political-institutions_38165, veröffentlicht am 10.03.2010.
Buch-Nr.: 38165
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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