/ 22.10.2015
Anastasia Drofa
Strategische Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und der Russischen Föderation im Wandel von Normativität zu Pragmatismus
Online-Publikation 2014 (http://publications.rwth-aachen.de/record/229258/files/4947.pdf); 310 S.Politikwiss. Diss. TH Aachen; Begutachtung: E. Richter, R. Rotte. – In der Außenpolitik werden Werte und Interessen häufig als gegensätzliche Triebkräfte angesehen. Dass die Außenpolitik eines Staates trotz dieses Spannungsverhältnisses auch durch ein Zusammenspiel beider Faktoren bestimmt sein kann, ist die Ausgangsthese von Anastasia Drofa. Sie zeigt am Beispiel der EU‑Russland‑Partnerschaft für den Zeitraum von 1991 bis 2010, dass sich das Verhältnis zwischen Werten und Interessen dynamisch entwickeln kann und diese somit zu den ursächlichen Faktoren für die Transformation dieser Beziehungen zu zählen sind. Dabei geht sie von der grundlegenden Annahme „eine[r] [wahrscheinlich] temporäre[n] Verschiebung der Akzente von einer normativ begründeten Partnerschaft zu einer pragmatischen Zusammenarbeit“ (12) aus. Theoretisch und methodisch arbeitet sie ebenfalls pragmatisch. Ausgehend von einem Theorienpluralismus (gemeint ist damit, wirklich klar wird dies nicht, die Berücksichtigung von Normen und Interessen) geht sie deskriptiv vor und sieht eine „allzu strenge Orientierung an bestimme [sic!] Methoden [...] hier, wo zwei sehr unterschiedliche Akteure in Bezug aufeinander möglichst komplex beschrieben werden sollen, eher schädlich“ (21). Ihr theoretisches Argument, dass „Interessen und Werte keine einander prinzipiell ausschließende [sic!] Charakteristika sind“ (284), sieht sie im russisch‑europäischen Verhältnis empirisch bestätigt. Während die Diskrepanz zwischen normativem Anspruch und Realität bereits zu Beginn der EU‑Russland‑Partnerschaft zum Ausdruck gekommen und mit der Zeit „zu einem deutlichen Problem der EU‑Russland‑Beziehungen“ (8) geworden sei, hätten die Beziehungen aus pragmatischer Perspektive stets funktioniert. Regen Beziehungen auf der Low‑Politics‑Ebene im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich stehe allerdings ein stockender Dialog auf der obersten politischen Ebene entgegen. Jenseits des untersuchten Falles und mit Blick auf die Zukunft der Beziehungen zwischen den regional bestimmten Mächten lautet ihre Diagnose, dass – angesichts einer „allgemein[en] normative[n] Müdigkeit“ – die beobachtete „Tendenz zu mehr Pragmatismus im neuen Jahrtausend kein[en] Einzelfall der EU‑Russland‑Beziehungen“ (296) darstellt.
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Rubrizierung: 3.6 | 4.22 | 2.62 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Anastasia Drofa: Strategische Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und der Russischen Föderation im Wandel von Normativität zu Pragmatismus 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39002-strategische-partnerschaft-zwischen-der-europaeischen-union-und-der-russischen-foederation-im-wandel-von-normativitaet-zu-pragmatismus_47440, veröffentlicht am 22.10.2015. Buch-Nr.: 47440 Rezension druckenCC-BY-NC-SA