/ 22.06.2013
Pavlos I. Koktsidis
Strategic Rebellion. Ethnic Conflict in FYR Macedonia and the Balkans
Oxford u. a.: Peter Lang 2012 (Nationalisms Across the Globe 5); XVII, 261 S.; pb., 41,70 €; ISBN 978-3-0343-0148-0Diss. Belfast. – In der aktuellen wissenschaftlichen Debatte finden sich laut Koktsidis mehrere Ansätze zur Erklärung von ethnischen, in Gewalt eskalierenden Konflikten; dominant ist die von Gurr und Moore sowie Collier und anderen vorgetragene Begründung, mit der der Auslöser in relativer Deprivation gesehen und damit ein Konflikt zwischen „greed and grievance“ (3) angenommen wird; Horowitz, Kaufman und Paquette bieten alternative Ansätze an, indem sie Faktoren wie Identität, Machtpolitik, Gruppenansprüche, Manipulation und Kriminalisierung in den Fokus der Erklärung rücken und die der Autor als strategische Mobilisierung fasst. Koktsidis verbindet in seiner Arbeit beide Stränge und präsentiert damit einen neuen theoretischen Ansatz, den er „strategische Rebellion“ nennt. „Strategic rebellion is a compositive term used to describe a calculated violent reaction against a status of long-standing disaffection by a group of people.” (5) Diesen neuen theoretischen Ansatz, der die drei Phasen Entstehung, Eskalation und Einigung enthält, prüft Koktsidis am bisher nur unzureichend untersuchten Beispiel Mazedonien. Für diese empirische Analyse nutzt der Autor zum einen viele statistische Daten, zum anderen greift er auf selbst geführte Interviews und eigene Feldforschung zurück. Für die Erklärung des gewaltsamen ethnischen Konfliktes setzt Koktsidis bereits zu Zeiten Jugoslawiens ein und findet vorrangig in relativer Deprivation begründete Motive für die Radikalisierung der albanischen Bevölkerung. In Kapitel 4 und 5 nimmt Koktsidis die sich für Albaner und separatistische Führer durch den Zusammenbruch Jugoslawiens eröffnenden Möglichkeiten der strategischen Mobilisierung in den Blick und setzt sie in Beziehung zu seinem zuvor entwickelten Ansatz strategischer Rebellion. Koktsidis stellt fest, dass es sehr wohl sozio-ökonomische Disparitäten und unterdrückende Strukturen sind, die zu konfliktanfälligen Einstellungen in der Bevölkerung führen. Diese allein können aber noch nicht den Ausbruch von Gewalt in Mazedonien erklären. Ausschlaggebend für die gewaltsame Eskalation seien u. a. auch die gewalttätigen Nachbarn Kosovo und Preševo gewesen. Daher schlussfolgert Koktsidis: „the decision to act violently could largely depend on regional conditions that help the violent expression of existing grievances and deprivation within a given state“ (225).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.61 | 4.41 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Pavlos I. Koktsidis: Strategic Rebellion. Oxford u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35304-strategic-rebellion_42524, veröffentlicht am 13.09.2012.
Buch-Nr.: 42524
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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