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/ 22.06.2013
Jürgen Hartmann / Udo Kempf

Staatsoberhäupter in der Demokratie

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 329 S.; 24,95 €; ISBN 978-3-531-18290-2
In der politischen Systemkunde werden die Staatsoberhäupter meist nur am Rande berücksichtigt, was nicht zuletzt ihren in unterschiedlichem Maße eingeschränkten Befugnissen zuzuschreiben ist. Dieses Lehrbuch gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Staatsoberhauptsformen in der Demokratie. Die Autoren nähern sich ihrem Untersuchungsgegenstand aus Sicht der klassischen Typologie von parlamentarischen, semi-parlamentarischen und präsidialen Regierungssystemen. Im Mittelpunkt steht die Frage, „ob diese typologische Feinrasterung die Realität trifft und die Verhältnisse, die sie zu erfassen beansprucht, nicht doch eher an Situationen und Persönlichkeiten gebunden sind“ (12). Die Fallstudien beschränken sich dabei auf Industriestaaten in Europa und Nordamerika. Ein Gegenakzent wird mit Russland gesetzt, einem Grenzfall, „an dem sich zeigen lässt, wie sich ein Amt, das europäischen Vorbildern entlehnt ist, verändert, wenn es in einem Kontext praktiziert wird, der auf anderen Prägungen fußt als die politischen Kulturen des Westens“ (18). Exemplarisch werden in jeweils einzelnen Kapiteln zu parlamentarischen Monarchen, parlamentarischen Präsidenten, präsidialen Präsidenten und semi-präsidialen Präsidenten sowie dem russischen Sonderfall des „Superpräsidenten“ 17 Staaten in Fallstudien erörtert. Im Ergebnis schlagen die Autoren eine neue Typisierung vor. Sie unterscheiden nun zwischen „Staatsoberhäuptern“, also Monarchen und Präsidenten, die von den Regierungsprozessen entkoppelt sind und (vom Volk gewählten) „präsidialen Regierungschefs“ (309 f.), die mit faktischer Regierungsmacht ausgestattet sind. Ein abschließendes Überblickskapitel, in dem 18 weitere Länder in Hinblick auf die Ausgestaltung ihres höchsten Staatsamtes skizziert werden, wirkt leider etwas vernachlässigt. Während sich die Ukraine hier noch mit etwas mehr als zwei Seiten Erläuterungen begnügen darf, müssen für die Slowakei ganze drei Sätze reichen. Dem Überblicks- und Einführungscharakter des Bandes hätte es gut getan, diese Beispiele etwas mehr analytisch anzufüttern und sie in die Systematik des Hauptteiles zu integrieren.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.212.612.622.642.42.3 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Jürgen Hartmann / Udo Kempf: Staatsoberhäupter in der Demokratie Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34297-staatsoberhaeupter-in-der-demokratie_41166, veröffentlicht am 08.03.2012. Buch-Nr.: 41166 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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