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/ 22.06.2013
Carola Lentz / Godwin Kornes (Hrsg.)

Staatsinszenierung, Erinnerungsmarathon und Volksfest. Afrika feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel 2011 (Wissen & Praxis 166); 236, 16 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-86099-717-8
Im Jahr 2010 feierten 17 afrikanische Länder das 50. Jubiläum ihrer Unabhängigkeit. Die Feierlichkeiten zeigten eindrucksvoll, dass die Nation trotz oder gerade aufgrund der langen Bürgerkriege und der schwach ausgeprägten Staatlichkeit auch in Afrika die wichtigste „vorgestellte Gemeinschaft“ (Benedict Anderson) ist, auf die politische Parteien und zivilgesellschaftliche Protestbewegungen referieren, wenn über die gemeinsame Vergangenheit und Zukunft debattiert wird. Selbst wenn eine Gruppe von Menschen, die sich einer Nation zugehörig fühlt, bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen teilt, müssen diese besprochen werden, um ihre Bedeutung zumindest vorläufig zu fixieren. Und diese Bedeutung der eigenen Geschichte ist fast immer politisch umkämpft. In unterschiedlichen ideologischen Diskursen wird um die wahre Essenz einer eigens konstruierten Nationalgeschichte gerungen. In diesem Sammelband untersuchen Studierende und Promovierende der Universität Mainz die Bedeutungsfixierungen im Konzept der Nation, indem sie die Inszenierung der Unabhängigkeitsjubiläen in elf afrikanischen Staaten analysieren. Obwohl die Beiträge zu erheblichen Teilen auf teilnehmenden Beobachtungen basieren, liefern sie weit mehr als schlichte Beschreibungen der Festivitäten. Die Nachwuchswissenschaftler kombinieren ihre Beobachtungen mit der Analyse von Zeitungskommentaren und selbst geführten Leitfadeninterviews. In ihren Aufsätzen zeigen sie, auf welche Weise konkurrierende politische Gruppen gegenwärtige soziale Konfliktlinien zwischen Geschlechtern, Generationen und ethnischen Minderheiten in ihren Diskursen über den Sinn und Zweck der Jubiläumsfeste integrieren und betonen oder aber verschweigen und beschwichtigen. So wird deutlich, dass die umkämpften nationalen Selbstvergewisserungen im Rahmen der Unabhängigkeitsfeiern die hochdynamischen Konfigurationen der jeweiligen politischen Felder und ihrer antagonistischen Konfliktlinien spiegeln. Der Band leistet somit einen wertvollen Beitrag zur Nationalismusforschung.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.672.23 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Carola Lentz / Godwin Kornes (Hrsg.): Staatsinszenierung, Erinnerungsmarathon und Volksfest. Frankfurt a. M.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34167-staatsinszenierung-erinnerungsmarathon-und-volksfest_40982, veröffentlicht am 01.03.2012. Buch-Nr.: 40982 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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