/ 03.06.2013
Andreas Rüesch
Staatsbetrieb, Wirtschaftsreform, Kampf der Interessen. Die Bedeutung der Unternehmensdirektoren und der "Industrielobby" in der Sowjetunion und in Rußland nach der Wende
Sinzheim: Pro Universitate Verlag 1996; 316 S.; brosch., 89,- DM; ISBN 3-930747-85-5Diss. phil. Zürich; Erstgutachter: C. Goehrke. - Ausgehend von der Beobachtung, daß in der bisherigen Rußland-Forschung der Einfluß von Interessengruppen nur unzureichend untersucht wurde, beschäftigt sich Rüesch mit dem Einfluß der Direktoren, d. h. der ehemaligen Leiter der Staatsbetriebe, insbesondere auf die Wirtschaftsreformen in der Sowjetunion und in Rußland seit 1985. Dabei fragt der Autor nach der Veränderung der Position der Direktoren und nach ihrer Organisations- sowie Durchsetzungsfähigkeit. Als weitergehende Überlegung wirft Rüesch die Frage auf, ob nicht in der Entstehung von Organisationen (in diesem Fall der Arbeitgeber) erste Ansätze der Entwicklung eines Pluralismus oder auch einer Sozialpartnerschaft zu sehen seien.
Rüesch nähert sich seiner Fragestellung nicht auf der Basis einer einheitlichen Theorie, sondern zieht verschiedene Ansätze heran, um Erklärungsmodelle für die Interessen der Direktoren und ihre kollektiven Handlungschancen zu gewinnen. Die Untersuchung beschränkt sich auf die Direktoren der ehemaligen Staatsbetriebe im industriellen Sektor (einschließlich der Energie- und Brennstoffbranche, jedoch ohne die Nahrungsmittelindustrie). Als Materialbasis dienen dem Autor Dokumente der Organisationen, russische Zeitungsartikel und zwei russische Datenbanken.
Aus dem Inhalt: I. Einführung. II. Systemreform und Interessengruppen: Ein theoretischer Rahmen: 1. Modelle des sowjetischen Wirtschaftssystems; 2. Public Choice; 3. Principal-Agent-Theorie; 4. Property-Rights-Theorie; 5. Theorie der Bürokratie; 6. Interessengruppen; 7. Pluralismus oder Korporatismus. III. Unternehmensdirektoren und Systemreformen: 1. Grundzüge des sowjetischen Wirtschaftssystems; 2. Zur Stellung der Unternehmensdirektoren; 3. Reformversuche vor 1985; 4. Reformen unter Gorbacev; 5. Einfluss der Direktoren. IV. Organisierte Interessenvertretung der Unternehmensdirektoren: 1. Aufbau von Lobbies und Beteiligung an der Macht; 3. Formen der Interessenvermittlung; 4. Vertreter der Industrie in öffentlichen Ämtern. V. Privatisierung und Interessenpolitik. VI. Ostmitteleuropa als Vergleichsreform. VII. Schlussbemerkungen.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.62 | 2.22 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Andreas Rüesch: Staatsbetrieb, Wirtschaftsreform, Kampf der Interessen. Sinzheim: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3205-staatsbetrieb-wirtschaftsreform-kampf-der-interessen_4208, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 4208
Rezension drucken
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
CC-BY-NC-SA