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/ 22.06.2013
Wolfgang Quaisser

Soziale Marktwirtschaft. Standortwettbewerb als Gegenstand der politischen Bildung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2010 (Tutzinger Schriften zur politischen Bildung); 143 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-89974609-9
Das Ziel politisch-ökonomischer Bildung sieht der Autor in Anlehnung an eine Studie des Deutschen Bankenverbandes darin, „die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft“ zu erhöhen, um damit „die Stabilität der Demokratie“ zu garantieren (136). Globale Krisenerscheinungen und nationale Herausforderungen seien Bewährungsproben, welche die Bürgerinnen und Bürger sowie die Sozialsysteme durch Anpassungen an den Standortwettbewerb bewältigen müssten. Der Band gibt eine problemorientierte Einführung in die neuere bundesdeutsche Wirtschaftsgeschichte im Kontext internationaler Entwicklungen. Die angesprochenen komplexen Problemfelder werden jedoch sehr einseitig beleuchtet. Trotz der mehrfachen Betonung der Wandlungsfähigkeit und Gestaltbarkeit wirtschaftspolitischer Rahmenbedingen bleiben die Ausführungen einer einseitigen makroökonomischen, dem Wachstums- und Wettbewerbsparadigma verpflichteten Perspektive verhaftet. Der Autor formuliert eine Reihe allgemeiner und vielfach vager „Lösungsstrategien“ als Auswege aus der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise: Sie reichen von einer Verstärkung der „weltweiten Ordnungspolitik“ über die Vermeidung einer „unkontrollierten Expansion der Geldmenge“ (98 f.) bis hin zur nachhaltigen Stärkung der „Wachstumsvoraussetzungen“ (94). Mit einer Neujustierung der sozialen Markwirtschaft in Deutschland verbindet Quaisser eine Anpassung an die globalen und demografischen Herausforderungen, d. h. ein Ende der „unsozialen [...] Subventionierung hoher Arbeitslosigkeit“ sowie eine Korrektur der „wirtschafts- und sozialpolitischen Fehler (einseitige Finanzierung der Sozialsysteme durch den Faktor Arbeit) sowie inflexible Strukturen auf den Arbeits- und Kapitalmärkten (einschließlich Fehlregulierungen)“ (49). Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stehen die Fähigkeit und die Notwendigkeit, sich scheinbar unabwendbaren äußeren Rahmenbedingungen politisch anzupassen. Alternative Erklärungsmodelle der politischen Ökonomie werden allenfalls durch die Erwähnung von „Globalisierungsgegnern“ (97) angedeutet. Ebenso wird die breite kritische Reflexion des neoliberalen Projekts der Globalisierung und der gezielten Umstrukturierung der Wirtschaftsordnung vom sozialen Wohlfahrtsstaat zum nationalen Wettbewerbsstaat in der Sozialökonomie, der politischen Soziologie und nicht zuletzt durch Vertreter der politischen Bildung völlig ausgeblendet.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.32.22.612.3154.43 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Wolfgang Quaisser: Soziale Marktwirtschaft. Schwalbach/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32727-soziale-marktwirtschaft_39083, veröffentlicht am 09.11.2010. Buch-Nr.: 39083 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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