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/ 22.06.2013
Gerhard Wettig

Sowjetische Deutschland-Politik 1953 bis 1958. Korrekturen an Stalins Erbe, Chruschtschows Aufstieg und der Weg zum Berlin-Ultimatum

München: Oldenbourg Verlag 2011 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 82); VII, 190 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-486-59806-3
Obgleich eine große Anzahl an Veröffentlichungen zur Politik während des Kalten Krieges existiert, gibt es divergierende Interpretationen und Erkenntnislücken durch noch nicht zugängliche Akten. Eine dieser bisher noch nicht hinreichend geklärten Fragen ist die der sowjetischen Deutschlandpolitik nach Stalins Tod. Einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage leistet Wettig durch eine neue Betrachtungsweise: Ihm geht es nicht vorrangig um die Darstellung des „‚zwischenstaatlichen’ Aspekts“, sondern um die Einbeziehung des „‚gesellschaftlichen’ Bereichs“ (4). Gerade dieser ist besonders wichtig, will man die sowjetische Politik in Deutschland verstehen. Die Sowjetunion war davon überzeugt, dass für eine Durchsetzung der eigenen Ziele (hier insbesondere die Lösung der deutschen Einheitsfrage in ihrem Sinne) auch westliche Bürger mit den Moskauer Zielen sympathisieren müssen. Die eigenen politischen Überzeugungen sollten attraktiv für Personen mit bürgerlicher Anschauung sein – und genau diese taktische Konzession bezieht Wettig in seine Untersuchung ein. Was durch die umfangreiche und in Teilen erstmals mögliche Aktensichtung zutage tritt, liest sich überaus spannend: So wurde zum Beispiel 1952 in Moskau intern eine Zurücknahme des „Aufbaus der Grundlagen des Sozialismus“ (22) in der DDR diskutiert. Aus dieser Diskussion resultierte dann offiziell eine Verurteilung übermäßiger Anstrengungen während des sozialistischen Aufbaus. Wie sehr die Schaffung einer deutschen Einheit und die notwendige Unterstützung durch westliche Bürger auch später noch im Fokus standen, zeigen auch die weiteren Ausführungen. So gibt der vonseiten der Sowjetunion ausgerufene „Kampf für den Frieden“, der nur mithilfe eines „ideologischen Kampfes gegen die Aggressoren“ und der damit verbundenen „Mobilisierung aller werktätigen Massen der kapitalistischen […] Länder“ (41) gewonnen werden kann, einen tiefen Einblick in die, wie es Wettig nennt, soziale Dimension der sowjetischen Deutschlandpolitik. Dass Wettig hierbei auf teilweise ungenügendes oder schwer einzuschätzendes Datenmaterial angewiesen war, stellt der Autor genauso heraus wie die von seiner Interpretation abweichenden Ergebnisse anderer Forscher.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.222.622.3134.21 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Gerhard Wettig: Sowjetische Deutschland-Politik 1953 bis 1958. München: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33816-sowjetische-deutschland-politik-1953-bis-1958_40516, veröffentlicht am 16.06.2011. Buch-Nr.: 40516 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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