/ 11.06.2015
Brigitte Aulenbacher / Birgit Riegraf / Hildegard Theobald (Hrsg.)
Sorge: Arbeit, Verhältnisse, Regime/Care: Work, Relations, Regimes
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Soziale Welt. Sonderband 20); 486 S.; brosch., 89,- €; ISBN 978-3-8487-1514-5Dass die „Soziale Welt“ ein umfangreiches Sonderheft mit 27 Beiträgen – nach einem gut dreijährigen Vorlauf – zum Schwerpunkt Sorge/Sorgearbeit herausgebracht hat, ist zweifellos ein Indiz gestiegener Aufmerksamkeit für ein Querschnittsthema, das seit Langem in der vergleichenden Sozialpolitikforschung, der Familiensoziologie und der Geschlechterforschung behandelt wird. Für die Herausgeberinnen beruht dessen aktuelle Relevanz in erster Linie jedoch auf den krisenhaften Entwicklungen, Verwerfungen und Herausforderungen, die das breite Spektrum professionell oder privat erbrachter Sorgearbeit heute kennzeichnen. Deshalb wird in dem Sammelband „eine breit angelegte und in die Tiefe gehende Sozialdiagnose zur gegenwärtigen Verfasstheit und Ausgestaltung von Care und Care‑Work“ (6) verfolgt. Für diese Zwecke sind vier thematische Bezugspunkte ausgewählt worden. Zunächst geht es aus politik‑, gesellschafts‑ und gerechtigkeitstheoretischen Perspektiven um eine Analyse der Widersprüche und sozialen Pathologien, mit denen Sorgearbeit aufgrund einer zunehmenden, kapitalistisch bedingten Ökonomisierung konfrontiert ist. In den Beiträgen des zweiten Blocks werden die Muster gesellschaftlicher Arbeitsteilungen von Sorgearbeit und deren implizite Diskriminierungseffekte nach Geschlecht, Ethnizität, Schicht, Alter und Staatsangehörigkeit untersucht. Im dritten Teil befassen sich die Autorinnen und Autoren mit veränderten Regulierungs‑ und Steuerungsformen im Verhältnis von öffentlicher und privater Fürsorge und deren Auswirkungen auf Beschäftigungsverhältnisse, Handlungsrationalitäten und ambivalente Tendenzen von Professionalisierung und Deprofessionalisierung sozialer Arbeit. Stärker international vergleichende Perspektiven werden im vierten Teil unter der Überschrift „Sorge, Sorgearbeit und Sorgeregime“ in den Blick genommen; an Beispielen aus dem europäischen Raum, Südamerika, Südafrika und Japan wird der Zusammenhang von Politikentwicklungen und Ungleichheitsdynamiken erörtert. Insgesamt ist es ein sehr inspirierender Band, bei dem der erste (Sozialdiagnose) und der dritte Teil (Governance) für die Politikwissenschaft von besonderem Interesse sein dürften.
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Rubrizierung: 2.2 | 2.262 | 2.27 | 2.61 | 2.65 | 2.67 | 2.68 | 2.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Brigitte Aulenbacher / Birgit Riegraf / Hildegard Theobald (Hrsg.): Sorge: Arbeit, Verhältnisse, Regime/Care: Work, Relations, Regimes Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38506-sorge-arbeit-verhaeltnisse-regimecare-work-relations-regimes_46349, veröffentlicht am 11.06.2015. Buch-Nr.: 46349 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA