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/ 17.07.2014
Mitchell Belfer

Small State, Dangerous Region. A Strategic Assessment of Bahrain

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2014; 412 S.; 64,95 €; ISBN 978-3-631-64639-7
Wie gelingt es Bahrain, umgeben von rivalisierenden Regionalmächten in einer der volatilsten und zugleich rohstoffreichsten Regionen der Welt, seine Unabhängigkeit zu behaupten? Mitchell Belfer versucht die internen wie exogenen Herausforderungen an die bahrainische Führung auf theoretischer Grundlage zu analysieren. Nach umfangreicher Einführung in die historischen, religiösen und demografischen Hintergründe des Landes definiert Belfer Bahrain im theoretischen Sinne als „Kleinstaat in einer gefährlichen Region“ (175). Entscheidend für diese Kategorisierung sind außerdem die Faktoren dysfunktionale Allianzen, regionale Polarisierung und auswärtige Einmischung. Aus diesem Zusammenhang ergibt sich nach Belfer für Bahrain ein „doppeltes Sicherheitsdilemma“ (177) mit einer internen und externen Dimension. Letztere ist das zentrale Problem des Autors und seines Buches. Von Beginn an wird hier die Rolle Irans als das eigentliche Problem Bahrains und der Golf‑Region propagiert. Demnach ist der Iran nicht nur „Hauptarchitekt von Dekaden politischer Gewalt“ (14) in der Region, Bahrains Verbündete hätten auch mangelnde Bereitschaft gezeigt, sich den regionalen Ambitionen Irans in den Weg zu stellen und dem Kleinstaat sogar die Hände gebunden, flexible Bündnisentscheidungen zu treffen. In der Analyse der internen Dimension des bahrainischen Sicherheitsdilemmas bemüht sich der Autor, ebenfalls den Einfluss Irans nachzuweisen. Seine Argumentation nimmt dabei stellenweise unfreiwillig komische Züge an, wenn er beispielweise versucht, die Tatsache, dass bahrainische Demonstranten Sandalen trugen, als Taktik darzustellen, sich bewusst als wehrlos zu inszenieren, um Bilder zu produzieren und so „Iran zur Intervention zum Schutz ‚wehrloser‘ Demonstranten zu ‚zwingen‘“ (241, Anführungszeichen im Original). Belfers Bemühungen, das Argument der Benachteiligung der schiitischen Bevölkerung anhand der von ihm eingesehenen offiziellen Daten zu entkräften, wird dann problematisch, wenn er als Nachweis für die Zuverlässigkeit der Daten lediglich anführt, dass „es für die Regierung von Bahrain wirklich keinen Grund gibt, die von ihr bereit gestellten Informationen zu fälschen“ (114). Zusammengenommen wird nicht immer klar, worum es Belfer eigentlich geht: Ist das Buch eine anti‑iranische Streitschrift oder dient es der Ergründung der Frage des Überlebens des Kleinstaats Bahrain in einer geopolitisch schwierigen Lage? Sein mit Pathos versetztes Fazit, das das Bild einer funktionierenden inklusiven Teilhabegesellschaft zeichnet, die durch einen auf „wahrem Multikulturalismus“ (391) fußenden Gesellschaftsvertrag zusammengehalten wird, wirkt jedenfalls fehl am Platz.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.634.222.642.61 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Mitchell Belfer: Small State, Dangerous Region. Frankfurt a. M. u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37302-small-state-dangerous-region_45482, veröffentlicht am 17.07.2014. Buch-Nr.: 45482 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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