/ 22.06.2013
Tsetan Dolkar
Sino-Tibetan Relations 1990 – 2000: the Internationalisation of the Tibetan Issue
Online-Publikation 2011 (http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0490/pdf/ddt.pdf); XII, 383 S.Diss. Marburg; Begutachtung: D. Berg-Schlosser, W. von Bredow. – Wie Dolkar in seiner Danksagung (!) feststellt, sind die hochgradig komplexen Beziehungen zwischen China und Tibet kaum erforscht. Diese Komplexität rufe aber geradezu nach einer Untersuchung der relevanten Dokumente und der realen Situation in Tibet. Obgleich diese Feststellung richtig sein mag, leitet Dolkar daraus weder in seiner Danksagung noch in seinem ersten Kapitel eine Fragestellung ab. Ohne Einleitung oder Problemaufriss steigt er sofort in sein Tibet-Kapitel ein, in dem er zunächst geografische, klimatische, ethnografische, linguistische und ethnische Aspekte der Region streift, um sich sodann ausführlich der Geschichte Tibets zuzuwenden. Anders als im Titel angekündigt, beginnt der Autor im darauffolgenden Kapitel weit früher mit der Darstellung der chinesisch-tibetischen Beziehungen und konzentriert sich dabei vorrangig auf die Unabhängigkeitsbestrebungen Tibets. Für die Dekade von 1990 bis 2000 stellt Dolkar heraus, dass China gegenüber Tibet eine aggressive Politik verfolgte, unter anderem durch den Abbau von Mineralien, die Ansiedlung von Chinesen im tibetischen Raum, eine zunehmende Verletzung der Menschenrechte, die Denunziation des Dalai Lama oder verschärfte Religionsgesetze. Seit diesem Jahrzehnt werde das chinesische Verhalten gegenüber Tibet aber auch international diskutiert. In Dolkars gesamter Darstellung liegt der Fokus auf Tibet, der Autor diskutiert nur an wenigen Stellen die chinesischen Interessen bzw. Rechtfertigungen, sodass bereits sehr früh eine Sympathie für Tibet deutlich wird, ohne dass diese reflektiert wird. Auch die Konklusion erinnert eher an eine Zusammenfassung denn an einen wirklichen Schluss, sodass der Zugewinn an politikwissenschaftlich relevanten Erkenntnissen begrenzt bleibt.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.68 | 4.41 | 2.25 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Tsetan Dolkar: Sino-Tibetan Relations 1990 – 2000: the Internationalisation of the Tibetan Issue 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34718-sino-tibetan-relations-1990--2000-the-internationalisation-of-the-tibetan-issue_41729, veröffentlicht am 23.02.2012.
Buch-Nr.: 41729
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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