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/ 21.06.2013
Winfried Wolf

Sieben Krisen – Ein Crash

Wien: Promedia 2009; 253 S.; 17,90 €; ISBN 978-3-85371-299-3
Der Autor interpretiert die jüngste Weltfinanzkrise als eine weltweite Krise der kapitalistischen Produktionsweise. Insofern vermutet er in der derzeit leichten Erholung lediglich ein Zwischenhoch, wie es ein solches auch 1930/31 gegeben habe. Die Krise sei, so Wolf, keine vorübergehende Erscheinung, die wieder in einen normalen Zyklus übergehen werde. Er interpretiert sie als Teil von sieben Krisen des globalen Kapitalismus. Dazu zählt er neben der Finanzkrise, die realwirtschaftliche Krise mit ihren Schlüsselbranchen Auto und IT, die Verteilungskrise des Wohlstands, die Nord-Süd- oder Hungerkrise und die Klimakrise sowie die Krise der Hegemonialmacht USA und der Leitwährung des Dollars. Anders als herkömmliche Krisenanalysen, konstatiert der Autor, erkenne er die Ursachen nicht so sehr in einer falschen Wirtschaftspolitik, im Abbau von Regulierungen und einer unzureichenden Koordination auf internationaler Ebene. Wolf „sieht die Ursache der Krise in der spezifischen Produktionsweise selbst“ (19). Mithin handele es sich nicht um eine Wirtschaftskrise, sondern um eine Systemkrise des Kapitalismus. Unternehmer wie Nationalstaaten würden unabhängig voneinander agieren, Wolf beschreibt dies als planlos und anarchisch, so entstünden zyklisch Überkapazitäten und „Kapital, das im produktiven Sektor kaum mehr profitabel eingesetzt werden kann, wird im spekulativen Sektor eingesetzt“ (28). Mit Blick auf den Klimawandel und eine ausbleibende Politikwende weist der Autor auf die Rolle einer bestimmten Gruppe von Weltkonzernen hin. Das Gewicht der Unternehmen, die im fossilen und atomaren Bereich unter Einschluss der damit verbunden Sektoren tätig sind, ist unter den 500 größten Konzernen der Welt von 1999 bis 2008 von 23,4 auf 34,6 Prozent gestiegen. Und so zitiert der Autor Wolfgang Sachs vom Wuppertaler Institut für Klima und Umwelt, der als Hauptbremse bei der Abwehr der ökologischen Risiken des Kapitalismus den „fossilen Kapitalismus“, also „die Öl-, Auto- und Zementindustrie und […] das Agrobusiness“ (163) nennt.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.432.612.642.682.262 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Winfried Wolf: Sieben Krisen – Ein Crash Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31239-sieben-krisen--ein-crash_37162, veröffentlicht am 23.02.2010. Buch-Nr.: 37162 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA